New Model Army

High

Veröffentlicht: 24.08.2007 / Attack Attack / Rough Trade

Von: Andreas Weist

New Model Army

Mit „High“ erscheint nach nur zwei Jahren Wartezeit das zehnte Album einer der  bekanntesten Indie-Bands Europas. Von 1984 bis 1993 beglückten sie ihre Fans in konstanter Regelmäßigkeit mit Studio-Perlen wie „No Rest For The Wicked“ und „Impurity“. Aus der ersten kreativen Pause entstand 1998 „Strange Brotherhood“. Eine zweite Pause gab es nach dem achten Album „Eight“, die Sänger Justin Sullivan mit ausgiebigen Soloaktivitäten füllte, bevor 2005 „Carnival“ das Licht der Musikwelt erblickte.

Nun also „High“. Erwartungsvoll öffne ich die wie immer mit Coverartwork von Joolz Denby gestaltete CD-Hülle – und ab in den Player. New Model Army klingen seit Jahrzehnten vertraut. Wenn man böse sein wollte, könnte man sagen: langweilig. Aber so ist es nicht.  Sullivans prägnante unverwechselbare Stimme bestimmt das Album, die Songs sind gitarrendominiert, vereinzelte Streicherpassagen runden das Ganze ab.

„Wired“ als Opener rockt sehr gradlinig los und kreiert den typischen Army-Sound. Doch schon „One Of The Chosen“ startet düster und geheimnisvoll. Ein kraftvolles Schlagzeug bereitet Sullivan den Weg und begleitet die eindringlichen Vocals durch den Song. Textlich geht es um das Innere eines Menschen, der sich als Auserwählter ansieht – den Befehlen geistiger Brandstifter, religiöser Sekten folgend. Wie gewohnt in perfekter lyrischer Umsetzung.

Der Titeltrack des Albums wird durch eine Spoken words-Passage eingeleitet, dann bauen Streicher den Song auf und tragen die Ballade bis zum ruhigen Ende. „No Mirror, No Shadow“ ist momentan mein Favorit. Ein hervorragend eingespieltes und vorwärts treibendes Schlagzeug ist Hauptbestandteil des Songs, nur sporadisch von Gitarre und Soundelementen unterstützt, und führt Sullivan durch die teilweise mehr gesprochenen als gesungenen Lyrics, die ein düsteres Zukunftsbild für die Menschheit zeichnen. „One day the desert will cover all the earth“ oder später im Text „Where there is war we like to bring peace / Where there is peace we want to bring war“.

Auch “Dawn” kommt nicht ohne melancholische Töne aus, bevor “All Consuming Fire” die Aggressivität zurückbringt. Episch angelegt, untermalt von kurzen Streicherpassagen, bleibt die Sichtweise der Welt gewohnt pessimistisch. „Sky In Your Eyes“ gibt Raum und Zeit zum Ausruhen. Eine klassische Ballade, in der Sullivans Stimme auch mal ruhig etwas in die Höhe gehen darf.

„Into The Wind“ beginnt sehr folkig, allein mit akustischer Gitarre. Solche Songs bieten Army seit Jahrzehnten – und sollen es auch bitte weiterhin tun. Nach den vom Punk beeinflussten Anfangsjahren macht inzwischen der Mix aus akustischen und den eher elektronisch verfeinerten rockigen Songs ein Army-Album aus.

Peter Nice am Bass dominiert „Nothing Dies Easy“ in einer leicht anmutenden Spielweise, die in ihrer Intensität immer weiter ansteigt, bis Sullivan sich fast schreiend durchsetzen muss. Sehr schöner Songaufbau. „Breathing“ ist dann wieder ruhiger und lullt durch einen afrikanischen Schlagzeugrhythmus ein, bevor der Refrain uns wieder aufweckt.
Zum Abschluss noch das verträumte „Rivers“ und das aggressive Finale „Bloodsports“, in welchem die Jungs erneut alle Register ziehen – eingeleitet von ansteigendem Streichersound, der dem Song von Beginn an die nötige Intensität verleiht.

Produzent des Albums ist Chris Kimsey, der schon mit einer illustren Schar von Bands wie Marillion, Yes und INXS gearbeitet hat. Falls er für den gezielten Streichereinsatz verantwortlich zeichnet, will ich dies mal als gelungenen Schachzug loben. Klar, es ist nicht Ed Alleyne-Johnson wie Anfang der 90er Jahre, sondern Anna Esslemont, die die Violine spielt. Aber so verkommt es auch nicht zur missglückten Kopie.
Army sind und bleiben Army, doch natürlich besteht bei einer Band, die so typisch klingt, die Gefahr von Wiederholungen und der Selbstimitation. Neue Elemente tun gut und geben Frische – und trotzdem wird keiner vor den Kopf gestoßen.

Eine groß angelegte Tour startet demnächst. Mal sehen, welche Songs längerfristig den Sprung auf die Setlist schaffen und welche schnell den alten Klassiker weichen müssen. Meine uneingeschränkte Empfehlung habt ihr: neues Album besorgen und sich vertraut machen, die Klassiker kennt eh jeder – und dann ab zum Konzert.

Tourdaten:

01.11. München
04.11. Stuttgart
06.11. Darmstadt
07.11. Hamburg
08.11. Bremen
09.11. Berlin
11.11. Hannover
22.12. Köln (das inzwischen schon traditionelle „Weihnachtskonzert“)

0_0_120x60 Logo

getgo.de

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Joe Cocker Tickets bei www.eventim.de