New Model Army

Today Is A Good Day

Veröffentlicht: 18.09.2009 / Attack Attack / Alive

Von: Andreas Weist

New Model Army

Da fühlt man sich doch umgehend in die Glanzzeiten der 80er zurück versetzt, als sich New Model Army an die Spitze der unterdrückten Arbeiterklasse stellten und sich als deren Sprachrohr verstanden. Ein Song wie der Opener und Titeltrack "Today Is A Good Day" nimmt die Finanzkrise und den Kollaps an der Wall Street zum Anlass, diesen Zusammenbruch im kapitalistischen System regelrecht abzufeiern. Auch "Autumn" widmet sich dieser Thematik, allerdings mit subtileren Tönen, die in einen stimmgewaltigen und äußerst sarkastisch anmutenden Backgroundchor gipfeln. Im Interview mit Musicheadquarter (das ihr HIER komplett nachlesen könnt) äußert Justin Sullivan unverblümt seine Meinung zum Geschehen: "Es ist gut zu sehen, dass dieses Lügengebilde zusammengekracht ist. Es war eine einzige Lüge. Sie nannten es Profit und was mich wirklich wütend macht ist, dass sie uns die letzten zwanzig Jahre versucht haben weiszumachen, wie clever sie sind. Jetzt erzählen sie keine Lügen mehr. "

Die neue Aggressivität in den Lyrics bleibt das ganze Album hindurch erhalten. Inhaltlich und musikalisch bedeutet dies eine Rückkehr in die 80er Jahre. Seit "The Love Of Hopeless Causes" (1993) war eine solche Energie nicht mehr spürbar. Keyboardsounds stehen diesmal zugunsten solider Gitarrenarbeit zurück. Und auch wenn Dave Blomberg ohne Frage der bessere Mann an der Gitarre war, bringt Neuling Marshall Gill neuen Schwung und einen Hauch von Südstaaten-Sound in die Stücke. New Model Army waren in den letzten Jahren vermehrt in den USA unterwegs und man spürt, dass sie immer noch nicht den Wunsch aufgegeben haben, auch dort stärker Fuß zu fassen.

Viele Songs drehen sich um Gott – ungewöhnlich für Songwriter Sullivan, der sich doch gerne als bekennenden Heiden bezeichnet. Die Ballade "God Save Me" ist sehr sphärisch und verträumt aufgebaut. So kann der Fronter seine prägnante Stimme voll ausspielen. Die sanfte Stimmung erinnert an sein Soloalbum "Navigating By The Stars", das sich thematisch der Weite des Ozeans widmete. Von diesem Werk ist zudem "Ocean Rising" in einer von NMA neu eingespielten Version enthalten, die sich allerdings nur minimal vom Original unterscheidet. Trotzdem mein Highlight des Albums, auch wenn der Song nun schon seit sechs Jahren bekannt ist. Eine solch selige Atmosphäre erzeugt dann nur noch der Schlusstrack "North Star" mit ungewöhnlichem Gitarrensolo.

Ansonsten findet sich durchgehend solide Kost: "Mambo Queen Of The Sandstone City" hat (abgesehen vom sperrigen Titel) Hitcharakter und die gitarrenlastigen "La Push" und "Arm Yourselves & Run" sind wie "Peace Is Only" typische Army-Songs, die sicher ihren Stellenwert auf der nächsten Tour bekommen werden. Wie vom Vorgänger "High" bin ich auch vom elften Album der Briten recht angetan. Klar kann man über einige kleine Fehler in der Produktion meckern – oder bemängeln, dass es keine Überraschungen gibt und Army anscheinend nichts Innovatives mehr einfällt. Allerdings bekommt der Hörer genau die Band, die er hören möchte. Live werden die Konzerte mit einem Reigen von Klassikern bestückt werden, in den die neuen Stücke sich hervorragend einpassen. Was will Fan mehr?

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