Pandora

Melancholic Freedom

Veröffentlicht: 15.01.2010 / Xochipilli Records / Radar Music

Von: Thomas Kröll

Pandora

Stellt euch vor, ihr seid die letzten 20 Jahre in einem Proberaum eingeschlossen gewesen. Zu dritt, dazu eine Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug. Um euch die Zeit zu vertreiben, fangt ihr an die Musik eurer Idole nachzuspielen: Nirvana, Sonic Youth oder Smashing Pumpkins. 2010 schließlich entlässt euch jemand in die Freiheit und das erste was ihr tut - nachdem ihr euch kurz darüber gewundert habt, dass Flanellhemden aus der Mode sind - ist: Ihr geht ins nächste Studio und nehmt all eure Songs auf CD auf.

So oder so ähnlich könnte sich die Geschichte im Falle von Pandora zugetragen haben. Hat sie aber natürlich nicht. Trotzdem wäre ihr Debütalbum "Melancholic Freedom" Anfang der Neunziger Jahre, der Hochphase des Grunge, wahrscheinlich eine ganz grosse Nummer gewesen. Ich wette sogar, dass nicht wenige einen Song wie die erste Single "Breed My Dye" beim ersten Hören für eine bisher verschollene Nirvana-Nummer halten.

In ihrer Heimat Belgien sind Pandora die zurzeit erfolgreichste Newcomer-Rockband. Zwei Jahre nach ihrer Bandgründung haben es Sängerin/Gitarristin Annie, Bassistin Michèle und Drummer Roman (Nachnamen sind nicht bekannt) geschafft, ein Album aufzunehmen, dessen Wurzeln zwar ganz klar in den 90ern liegen, das aber gleichzeitig gängige Genregrenzen ebenso bricht wie bewusst einhält. Der Bandname passt dazu wie die Faust aufs Auge. Dem Mythos nach wurde Pandora ja auf Geheiß des Göttervaters Zeus von Hephaistos aus Lehm erschaffen. Um sie verführerischer zu gestalten, wurde sie anschließend von den Göttern mit vielen Gaben ausgestattet, darunter musikalisches Talent, Neugier und Übermut. Voilá!

Im Ergebnis bedeutet das 14 explosive Songs: "Rock`n Roll is in the house". Dazu Grunge, Punk und eine Prise Metal, wildgewordene Gitarren und wütende Vocals. Zwischendurch wird es zwar auch mal eine Spur ruhiger ("Dark Milk" oder "Bottle Of Wine"), aber ansonsten klingt "Melancholic Freedom" so verdammt frisch und unverbraucht, als hätte es die vergangenen 20 Jahre niemals gegeben. Wer den damaligen musikalischen Hype aus Seattle hautnah miterlebt hat, der wird "Melancholic Freedom" quasi als Jungbrunnen erleben und die Jüngeren unter euch verstehen nun endlich, wovon ihre Eltern die ganze Zeit sprechen.

Der grösste Verdienst von Pandora aber ist, dass sie keineswegs nur Altbekanntes neu zusammensetzen, sondern es vielmehr innovativ weiterentwickeln. Kurt Cobain hätte jedenfalls seine helle Freude an diesem Album gehabt! Ab Januar sind die drei Belgier auf Deutschlandtour. Die folgenden Termine schreien förmlich nach einem gemeinsamen Familienausflug in Vergangenheit und Zukunft:

15.01.10 - Album-Release-Show, Aachen, Musikbunker
22.01.10 - Oldenburg, Metro
23.01.10 - Oberhausen, Drucklufthaus
27.01.10 - Kiel, Schaubude
28.01.10 - Berlin, Cortina Bob
29.01.10 - Chemnitz, Bunker
06.02.10 - Freiburg, White Rabbit
11.02.10 - CH-Basel, Villa
13.02.10 - Essen, Panic Room
13.03.10 - Göppingen, Give Me Noise Festival
19.06.10 - Cottbus, Konturkonzerte "An-Stachel" Festival

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