Paucker

Miserable Junkie

Veröffentlicht: 05.03.2010 / Monohausen Records / Groove Attack

Von: Andreas Weist

Paucker

Seit einigen Jahren ist der gebürtige Stuttgarter Michael Paucker mit der Berliner Formation Triband unterwegs und verstärkt den faszinierenden Jazzpop des ehemaligen Trios mit den tiefen Tönen von E-Bass und Kontrabass. Ebenso wie Pianist und Trompeter Sebastian Studnitzky legt er jetzt losgelöst von der Band ein beeindruckendes Soloalbum vor, das zeigt, wie sehr er in seiner Musik aufgeht. Die Legende sagt, dass Paucker mit neun Jahren bereits das Beatles-Repertoire auswendig mitsingen konnte und als zarter Teen dem Rhythm’n’Blues der 50er Jahre lauschte, während seine gleichaltrige Umgebung sich zwischen Britpop und Grunge zerstritt. "Miserable Junkie" heißt nun das Werk, mit dem er sich selbst den Weg aus dem Schatten des Bassisten-Daseins ins Rampenlicht erarbeiten möchte.

Die Einflüsse von Bands wie den Beatles, des progressiven Psychedelic Rock der 70er aber auch von elektronischen Elementen der frühen 80er sind deutlich spürbar. Schon der Opener "Sophie" schreit förmlich nach dem Quartett aus Liverpool, ohne sich allerdings zu sehr anzubiedern. Paucker singt ausschließlich auf englisch – wenn ich mir auch gut den einen oder anderen Song in deutscher Sprache vorstellen könnte, ohne dass es peinlich klingen würde. Der Retrostil steht dem jungen Mann gut zu Gesicht und lässt uns in harmonischen Melodielinien, ausgefeilten Akkorden und seligen Refrains schwelgen. Die Grundstimmung ist entspannt – bisweilen melancholisch – und bringt dennoch die Welt zum Strahlen.

Die Single-Auskopplung "God Has Gone On Holiday" beweist, dass Paucker durchaus tauglich fürs Mainstream-Radio ist. Aber da der Glamour-Faktor heutzutage einfach zu wichtig scheint, werden seine intelligenten Texte im Pop-Einheitsbrei wohl kaum auffallen. Elektronisch wird’s in Songs wie "Everyone Knows It", das fast schon einen surrealen Touch hat. Und Abgeh-Nummern wie "No No No" laden zum Tanzen ein. Extrem virtuos kommt aber "Little Princess" daher, dass sich hauptsächlich auf Piano und mehrstimmige Vokalpassagen beschränkt und von zerbrechlicher Schönheit ist. Ein Song, den ich immer wieder hören kann.

Um die Qualitäten des Multitalents wissen inzwischen auch Thomas D und Joy Denalane, die ihn regelmäßig in ihre Liveband bitten. Sein Solodebüt schafft Michael Paucker mit Bravour. Schöne, mitreißende Songs am Stück – kraftvoll vorgetragen und mit hohem Wiedererkennungswert. Die zu Unrecht relativ unbekannte Triband hat neben den wundervollen Bandalben auch im Solobereich einige ungeschliffene Rohdiamanten zu bieten. Unbedingt im Auge behalten!

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