Paul McCartney

Kisses On The Bottom

Veröffentlicht: 03.02.2012 / Concord / Universal Music

Von: Sascha Knapek

Paul McCartney

In der Welt von Pilzkopf Paul McCartney mag es deutlich anders aussehen, als in der eines Otto-Normalverbrauchers. Aber feiert Sir Paul das Weihnachtsfest wirklich erst im Februar? Wenn man die neue Scheibe des Ex-Beatle, "Kisses On The Bottom", durchhört, kommt man in die Versuchung, dies stark zu vermuten. 14 Nummern zwischen Slow-Jazz, Soft-Pop und pittoresk herunterfallenden Schneeflocken – all das, was ein derartiges Werk in den meisten Fällen auszeichnet. Zwar verkneift sich McCartney die Christmas-Gassenhauer-Interpretationen manches Konkurrenten, nur ändert es nichts daran, dass "Kisses On The Bottom" ein gefühltes (langweiliges) Weihnachtsalbum geworden ist. Da helfen auch Gastauftritte von Eric Clapton und Stevie Wonder nichts.

Unterstützt wird Paul McCartney bei seiner Präsentation der eigenen Lieblingssongs von Diana Kralls Backing-Band. Man hätte es beim sehr unaufgeregten Klangteppich vermuten können, aber ein Blick ins Booklet bestätigt die Annahme. Zusammen mit den Jazz-Handwerkern nimmt sich der Engländer Songs wie "The Glory Of Love", "It’s Only A Paper Moon" oder "Home (When Shadows Fall)" an und leiert sich ein ums andere Mal betulichen Slow-Jazz aus den Hüften. Anhänger von Weihnachts- und Valentinstagsalben rasten dabei höchstwahrscheinlich vor Freude aus – aber ist es wirklich das, was McCartney mit dieser Platte erreichen wollte? Wohl eher nicht.

Für eingefleischte Fans ist "Kisses On The Bottom" natürlich Pflicht. Wer Sir Paul allerdings nicht einem Heiligen gleichsetzt, der wird sich bei der einschläfernden Präsentation der McCartney’schen Lieblingssongs ziemlich langweilen. Zu penetrant ist das geflüsterte Einheitstempo der 14 Tracks und zu ecken- und kantenlos ist die Darbietung des Engländers. Poppiger Konsens-Jazz, den man in vielen Aufzügen hört und nirgends Gefahr läuft, sich zu stoßen. Lieblingssongs hin oder her, das ganze Album wirkt beliebig und austauschbar. Da hätte man vom 69-Jährigen mehr erwartet als diese lauwarme Tütensuppe mit jazzigem Anstrich und lächerlicher Betitelung. Dass auch die beiden Eigenkompositionen – "My Valentine" und "Only Our Hearts" – nahtlos ins Schema passen, macht die Sache nicht besser.

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