Paul Simon

So Beautiful Or So What

Veröffentlicht: 08.04.2011 / Concord Music / Universal Music

Von: Thomas Kröll

Paul Simon

Paul Simon hat eine neue Platte gemacht. Das ist an sich ja nichts Ungewöhnliches. Schließlich hat der Mann bereits elf Soloalben veröffentlicht. Man erinnere sich nur an das grossartige "Graceland" von 1986. Hinzu kommt der Backkatalog mit Art Garfunkel in den 60er und 70er Jahren. Insgesamt zwölf gewonnene Grammys zeugen von der Bedeutung des 69-Jährigen aus New Yersey. 1973 kreuzten sich die Wege von Paul Simon und Phil Ramone erstmals während der Aufnahmen zu "There Goes Rhymin`Simon". Ramone ist nicht etwa ein verschollenes Mitglied der gleichnamigen Punkband, aber mindestens ebenso legendär. Er produzierte bereits Alben für Bob Dylan, Billy Joel, Elton John, Madonna, Paul McCartney, Frank Sinatra und und und...

Für "So Beautiful Or So What" haben die beiden Haudegen wieder zusammengefunden. Ihnen zur Seite standen dabei Doyle Lawson und seine Bluegrass-Band Quicksilver, Schlagzeuger Chris Bear von der New Yorker Indie Rock-Combo Grizzly Bear sowie Gitarrist Vincent Nguini und der Percussionist Steve Shehan, die beide schon seit gut zehn Jahren zu Simons innerem musikalischen Zirkel gehören. Den Meister selbst erinnert "So Beautiful Or So What" nach eigener Aussage gar an sein erstes Soloalbum "Paul Simon" von 1972.

Nun, Tatsache ist, dass es ein verdammt entspanntes Album geworden ist. Tatsache ist aber auch, dass es gerade in der zweiten Hälfte ein paar Längen hat. Unter den zehn Songs findet sich zum Beispiel mit "Amulet" ein etwas mehr als anderthalbminütiges Instrumental, das zwar schön klingt, man sich aber auch hätte sparen können. Angeführt wird der Reigen von "Getting Ready For Christmas Day", das zur falschen Jahreszeit erscheint, mit seiner Mixtur aus Country, Gospel und Blues aber sofort ansteckt und für gute Laune sorgt. "The Afterlife" groovt mit ähnlich frühlingshafter Leichtigkeit dem Jenseits entgegen, gesteigert noch von "Love And Hard Times", in dem Paul Simon mit seiner Geliebten durch einen warmen Sommerregen spaziert. Beim anschließenden "Love Is Eternal Sacred Light" wechseln die beiden auf einen bluesrockenden Zug, den eine Mundharmonika antreibt, erst geradeaus, dann schnaufend den Berg hinauf und voller Enthusiasmus wieder hinab. Das zerbrechlich-zarte "Questions For The Angels" begleitet den religiösen Pilgerer und die Obdachlose schließlich auf ihrer Wanderung durch die Straßen Brooklyns. Die Stücke auf "So Beautiful Or So What" vereinen ganz nebenbei noch afrikanische ("Dazzling Blue") und indische Einflüsse ("Rewrite"), ertrinken entweder in majestätischer Melancholie oder ausgelassener Fröhlichkeit oder beidem gleichzeitig, bevor das Album so endet, wie es begonnen hat: Mit dem Titelsong, einer beschwingten Bluesnummer.

Nicht nur Kollege Elvis Costello, der ja bekanntlich selbst so einiges vom Songwriting versteht, reagierte auf "So Beautiful Or So What" mit spontaner Begeisterung. Dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn es insgesamt nicht ganz zur Höchstwertung reicht. Paul Simon klingt vier Jahrzehnte nach "Bridge Over Troubled Water" immer noch unglaublich vital. Über ein Jahr lang hat er an den Songs für "So Beautiful Or So What" gefeilt. Die Mühe hat sich gelohnt. Altes Eisen hört sich eindeutig anders an! Davon kann man sich im Sommer bei den Konzerten am 11.07. in Berlin und am 12.07. in Mainz dann auch endlich wieder live überzeugen.

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