22 Dreams

Seit gefühlten mehreren hundert Jahren macht er nun schon Musik und definierte dabei schon mehrmals den Stand der Dinge, die britische Musik betreffend. Auch mit seinem letzten Album "As Is Now" landete Paul Weller in den Top 5, bei den Brit Awards 2007 bekam er den Lifetime Achievement Award verliehen und er gibt immer noch keine Ruhe.
Nein, ganz im Gegenteil. Trotz der langen, langen Karriere mit all ihren Höhepunkten ist er noch weit weg davon, festzufahren. Und nun stellt er uns mit "22 Dreams" einen Klotz hin, den es erst einmal zu verdauen gilt. 21 Songs (der 22. Traum ist für den Hörer), mehr als 70 Minuten Spielzeit und in jeder Minute eine neue Idee. Hierbei kommt ihm sicherlich auch sein reichhaltiger Erfahrungsschatz zu Gute, doch ist "22 Dreams" auch ein Dokument seiner Offenheit. Sind hier doch Einflüsse aus allen Epochen britischer Rock- und Popmusik zu erkennen, seien es Led Zeppelin ("Light Nights"), der frühe Joe Cocker ("Invisible"), aber auch leicht Experimentelles ("Song for Alice"). Bei "Echoes Round The Sun", welches auch als erste Single gemeinsam mit "Have You Made Up Your Mind" veröffentlicht wird, darf dann sogar Noel Gallagher seinen Beitrag leisten. Wie es sich anhört zur Freude beider. Bei allen Einflüssen bleibt Paul Weller aber er selbst und mit seiner knarzenden, rumpeligen Stimme setzt er auf jedes Lied noch einen oben drauf.
Produziert wurde "22 Dreams" von Simon Dine und Paul Weller himself und enthält neben dem Beitrag von Noel Gallagher und Gem Archer von Oasis weitere Gastauftritte des langjährigen Weller-Gitarristen Steve Craddock sowie von Little Barrie und Graham Coxon, dem Gitarristen von Blur. Es ist im übrigen das erste Mal überhaupt, dass Blur und Oasis gemeinsam an einem Album gearbeitet haben!
"22 Dreams" wird in den unterschiedlichsten Varianten erscheinen. Zum einen als "normale" CD im Juwel Case, mit 12-seitigem Booklet und 21 Songs, als Deluxe Version mit einer zusätzlichen CD, die, neben anderen Schmankerln, eine Instrumentalversion von "Big Brass Buttons", gemeinsam mit Bobby Gillespie und Andrew Innes von Primal Scream und ein 32 Seiten starkes Booklet beinhaltet. Außerdem wird es noch eine Doppel-Vinyl-LP geben, die in ihrer Form dem Konzept von "22 Dreams" am ehesten entspricht, denn das Album ist angelegt wie die klassischen alten Doppel-LPs.
Und hierin liegt vielleicht die einzige Schwäche von "22 Dreams", zumindest für meinen Geschmack. Ein paar Stücke weniger und es hätte wohl 9 Punkte gegeben, so bleiben es nur 7, weil Paul Weller nicht über das gesamte Album seinen hohen Anspruch durchhält. Doch auf jeden Fall ist ihm erneut ein grosses Album gelungen, das seine Position in der britischen Popwelt noch einmal untermauert und es den Nachfahren noch lange schwer machen wird an ihn heranzureichen.
Im Oktober kommt Paul Weller dann auf Deutschland-Tour. Hier die Termine:
06.10. Köln - E-Werk
07.10. Berlin - Columbiahalle
08.10. Hamburg - Docks
10.10. Heidelberg - Stadthalle
11.10. München - Tonhalle