Paul Weller

Wake Up The Nation

Veröffentlicht: 16.04.2010 / Island / Universal Music

Von: Andreas Weist

Paul Weller

Seit "22 Dreams" sind fast zwei Jahre vergangene und der Brite – Ikone und Urvater des Britpop, für den der Begriff "Modfather" extra geschaffen wurde – meldet sich mal wieder zu Wort. Ungefähr so: "Eigentlich hatte ich überhaupt nicht daran gedacht, eine neue LP aufzunehmen". Die Songideen seien alle aufgebraucht gewesen, man habe bei Null starten müssen. Aber der Kater lässt ja bekanntlich das Mausen nicht und so fand sich der 51jährige erneut mit Produzent Simon Dine im eigenen Black Burn Studio ein, um einmal mehr die Musikwelt auf den Kopf zu stellen und alle Lügen zu strafen, die der Meinung sind "Kennt man eine Platte, kennt man alle".

Diesmal flogen die akustischen Instrumente und damit jegliche folkige Anwandlung über Bord und Weller versucht sich mit dem zehnten Album an harten, urbanen Klängen. Das hat dann plötzlich wieder mehr mit der Zeit von The Jam zu tun, als all seine Veröffentlichungen der letzten Jahre. 40 Minuten sind nach dem großen Opus mit 21 Tracks fast schon als spärlich zu bezeichnen, doch die rockigen Songs entfalten eine große Intensität und Weller erreicht damit wieder das, was ihm beim letzten Werk nicht gelungen war: nämlich den Hörer zu packen und bis zum letzten Ton nicht mehr loszulassen.

Der energische Start mit "Moonlight" ist bezeichnend für das komplette Album. Weller will wachrütteln und lässt dazu auch das kritische, politische Bewusstsein einmal mehr los: "Get your face off of Facebook and turn off your phone" heißt es beispielsweise im Titeltrack. Die Rolle als mahnendes Gewissen der englischen Gesellschaft hat er vielleicht inzwischen verloren, doch es gelingt ihm immer noch, Themen auf den Punkt zu bringen. So ist die bildliche Klarheit von "Fast Car / Slow Traffic" schon in der Titelzeile greifbar.

Zum Abkühlen finden sich das psychedelische "Andromeda" und das instrumental ausgereifte "In Amsterdam" bevor der Meister wieder in "She Speaks" sein wahres Können zeigt: Gefühle in Songform zu verpacken. In der Folge finden sich Experimente wie die funkigen "Aim High" und "Whatever Next" sowie der Discosound von "Up The Dosage".

Die Tracklist ist mit 16 Songs fast so lang wie beim Vorgänger – doch diesmal gibt es kaum Längen und keine bösen Durchhänger. Paul Weller geht in die Tiefe und bringt seine Gedanken schnell auf den Punkt. So darf er sich noch mehrfach leerschreiben und wieder von vorn beginnen. Von Midlife-Krise keine Spur.

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