Pavement

Quarantine The Past

Veröffentlicht: 05.03.2010 / Domino Records / Indigo

Von: Sascha Knapek

Pavement

Das Internet war im Begriff endgültig die (Musik-)Welt zu erobern, da lösten sich Pavement auf. 1999 machte die Indie-Ikone einen Schlussstrich unter ihre Karriere als Rockband und wandert seitdem als lebendige Erinnerung von Tausenden von Fans herum. Was wäre gewesen, wenn Pavement sich nicht aufgelöst hätten? Wäre ihr nächstes Album der verdiente kommerzielle Durchbruch gewesen? Wären sie noch weiter in Richtung Pop gegangen oder wäre es wieder Zeit für den anfänglichen, und zwischenzeitlichen ("Wowee Zowee"), Lo-Fi-Noise-Ritt gewesen? Fragen über Fragen, deren Existenz bestenfalls müßig ist. Ein neues Studioalbum wird es vielleicht auch nach der 2010 anstehenden – allseits mit riesigem Applaus gefeierten – Reunion nicht geben. Was es geben wird, sind Liveauftritte. Spätgeborene können hier sehen, wie Indie-Rock richtig geht. Zur Vorbereitung gibt’s mit "Quarantine The Past" nun eine Best-of-LP, die dank der Pavement-Köpfe viel, viel mehr ist, als nur eine Versammlung der bekanntesten Songs des Quintetts.

Gänzlich unveröffentlichtes Material enthält die 23-Song-Sammlung zwar leider nicht, aber dafür sind ja auch die im Abstand von 24 Monaten erscheinenden Wiederveröffentlichungen der Studioalben zuständig. Mit den sensationellen Re-Releases setzten Pavement neue Maßstäbe, die 2-Disc-Sets (von "Slanted And Enchanted" bis "Brighten The Corners") mit erweitertem Artwork sind mit das wertigste und liebevollste, was in diesem Segment auf dem Markt ist.

Das Fehlen von Exklusivem machen Pavement durch eine unschlagbare Erkundungsreise durch ihren Backkatalog wett. „Große" Hits wie "Cut Your Hair", "Summer Babe", "Shady Lane/J vs. S." oder "Spit On A Stranger" enthält "Quarantine The Past" natürlich auch, aber auch das Herz von treuen Fans werden sicher die weniger bekannten und selteneren Stücke hochschlagen lassen. "Mellow Jazz Docent" (von der "Perfect Sound Forever"-EP), "Unseen Power Of The Picket Fence" (von der AIDS-Awareness-Compilation "No Alternative") oder der älteste Track "Box Elder" (von Pavements erster, 1989 veröffentlichter, EP "Slay Tracks 1933-1969") sind solche Nummern, ohne die ein repräsentativer Rückblick auf das Schaffen von Pavement keinen Sinn machen würde.

Alle 23 Songs wurden komplett remastered und der Anspruch eine wirkliche ‘Werkschau‘ zu sein, macht "Quarantine The Past" nicht nur für Einsteiger interessant. Jeder, der etwas mit der größten „kleinen" Indie-Rock-Band der 90er anfangen kann, kann hier blind zugreifen. Mit guten Freunden lässt es sich doch am aufregendsten in Erinnerungen schwelgen. Und dank der Reunion können da jetzt ja auch noch weitere Kapitel hinzukommen.

Am 1. März geht es für Pavement in Neuseeland los. Die Tour führt sie anschließend durch Australien, Europa und schließlich zurück in die USA. Was danach folgt, weiß nur die Band selbst. Genießt also die Pavement-Zeit, wenn man die Ankündigung ‘2010 = YEAR OF PAVEMENT‘ wörtlich nimmt, könnte es in zehn Monaten schon wieder vorbei sein. Dann wäre auch der letzte noch fällige opulente Re-Release ("Terror Twilight" erscheint, wenn es beim Zeitplan der Vorgänger bleibt, im Spätherbst) auf dem Markt. Zu den Jungs von Pavement würde das passen. Wir geben die Hoffnung auf ein sechstes Studioalbum trotzdem nicht auf!

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