Tattoos

Alte Hits – neu produziert. Die meisten fallen damit böse auf die Nase. Ich denke beispielsweise aktuell an Helloween oder an BAP im Jahr 2005. Altrocker Peter Maffay hat es Anfang des Jahrtausends selbst schon einmal versucht und den Longplayer "Heute vor dreißig Jahren" auf den Markt gebracht. Damals war ich entsetzt, heute bin ich begeistert. Also was hat der erste musikalische Held meiner Kindheit diesmal richtig gemacht, was er vor zehn Jahren verbockt hat?
Zunächst ist man natürlich die alten Versionen gewohnt und es dauert, bis sich etwas gänzlich Neues im Ohr festsetzt. Für das 2001er Album hat Maffay viel mit Sounds experimentiert und den Rhythmus verändert. Das ergab zwar eine nette Compilation, wirkte aber irgendwie zusammengestückelt – nicht homogen genug.
"Tattoos", das im Vergleich zu erwähntem Werk immerhin neun Dopplungen aufweist, wirkt stärker als Einheit – begonnen mit dem instrumentalen Intro "Tattoos", das wie eine Ouvertüre daherkommt und die leicht orchestrale Ausrichtung für die weiteren 14 Tracks vorgibt. Es folgt eine gesunde Mischung aus leicht rockigen Krachern und akustischen Balladen, die wie ein natürlich gewachsenes Album klingt. Die neuen Arrangements werden mit der Peter Maffay Band und dem "Wroclaw Score Orchestra" umgesetzt, welches sich aber nicht zu weit in den Vordergrund drängt.
Die Schlager-Attitüde von "Und es war Sommer" wird geschickt zugunsten einer gefühlvollen Neueinspielung geopfert. Auch die Altlast "Über 7 Brücken musst du geh‘n" gewinnt durch den Einsatz eines mehrstimmigen Jugendchores. Für "Eiszeit" wurden harmonische Harfenklänge verwendet, die den Song in eine ganz neue Richtung führen. Ebenso atmosphärisch klingt der Titeltrack des letzten Studioalbums "Ewig" – mit beschwingter Streicherbegleitung. Den Abschluss bildet "Nessaja" als in jeder Form funktionierende Hymne für die nie zu Ende gehende Kindheit.
Das Album enthält die wichtigsten Songs der 40jährigen Karriere des Sängers. Jeder wird Stücke vermissen – das kann gar nicht anders sein, wenn jemand die Essenz aus fast 30 Studioalben auf einen Silberling pressen will. Doch es ist ohne Zweifel eine schöne Einstimmung auf die Tour 2010, für die sich Maffay erstmalig von einem philharmonischen Orchester begleiten lassen will. Der Rocker wird leiser – doch zum Verstummen bringt ihn noch lange niemand.