Phillip Boa & The Voodooclub

Diamonds Fall

Veröffentlicht: 13.02.2009 / Constrictor / Rough Trade

Von: Andreas Weist

Phillip Boa & The Voodooclub

Es gab eine Zeit Ende der 80er, da Phillip Boa and the Voodooclub zwangsläufig in einem Atemzug mit New Model Army und The Cure genannt wurden. Wenn auch der große kommerzielle Erfolg für den Dortmunder letztendlich ausblieb, bescherte ihm der Song „Container Love“ zumindest einen internationalen Hit und für die darauffolgenden Alben einige solide Top 20-Platzierungen. Dem Metalprojekt Voodoocult war nur eine kurze Lebensdauer beschieden, so dass auch im neuen Jahrtausend ein steter Output feiner Independent-Werke folgt.

Das sechzehnte Studioalbum trägt den Titel „Diamonds Fall“ und hat tatsächlich einige feine Diamanten zu bieten. Mit dem Titeltrack startet das Album noch sehr träge und mit schwer zu fassenden Elektronikelementen, doch bereits der Refrain geht schnell ins Ohr und bringt eine eingängige Pianolinie mit sich. Boa liegt besonders in den tiefen Lagen gerne mal einen Tick neben dem Ton, gleicht dies aber durch seine prägnante Stimme aus und lässt die Performance recht charmant wirken. Vielleicht darf man einfach nicht zu perfekt sein, wenn man im New Wave mitschwimmen will.

Mit rhythmischen Überraschungen wartet „Fiat Topolino“ auf, das italienisch gesungen wird und von dem ich euch beim besten Willen nicht sagen kann, ob es tatsächlich den vor meinem geistigen Auge erscheinenden Fahrzeugklassiker besingt oder ich einfach zu sehr werbegeprägt bin.  „The World Has Been Unfaithful“ setzt den musikalischen Reigen melancholisch fort und leitet zum poppigen „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“ über, das sich zum echten Ohrwurm entwickelt. Für „The Race Is Over“ werden verzerrte Gitarren ausgepackt und einmal mehr überzeugt das neue Bandmitglied Jaki Liebezeit durch ein äußerst eindrucksvolles Schlagwerk.

Orchestral und schwermütig kommt „Jane Wyman“ daher. Für „Coppergirl“ wird die virtuose Percussion-Kiste ausgepackt und „60’s 70’s 80’s 90’s“ avanciert nicht nur nominell zum Trip durch die Discophase des vergangenen Jahrtausends – gespickt mit sphärischen Jazzelementen. Phillip Boa scheut die Kontraste nicht und schafft im Duett mit Pia Lund ein virtuoses Soundgemälde. „DJ Baron Cabdriver“ bringt gar die Tanzbarkeit in Boas Musik zurück, bevor „Black Light“ das Album düster und atmosphärisch beschließt.

Dem deutschen Aushängeschild der Independent-Mucke ist wieder mal ein in sich geschlossenes Album gelungen, das die Idee des New Wave weiter verfolgt und in die Gegenwart rettet. Damit erntet man keine Lorbeeren in der aktuellen Radiolandschaft, aber man kann der treuen Fangemeinde gewiss eine große Freude machen und sie stolz auf ihren alten Heroen sein lassen, der auch schon langsam aber sicher auf die große 50 zugeht. Das soll aber kein Hindernis für eine gute Liveshow sein, wie andere Mittvierziger beweisen. Hier kann man sich aktuell von den Qualitäten überzeugen:

Tourdaten
26.02.2009 Saarbrücken - Roxy
27.02.2009 Lingen - Alter Schlachthof
28.02.2009 Erfurt - Gewerkschaftshaus
01.03.2009 Berlin - Postbahnhof
03.03.2009 Heidelberg - Karlstorbahnhof
04.03.2009 Köln - Gloria
05.03.2009 Bremen - Lagerhaus
06.03.2009 Hamburg - Markthalle
07.03.2009 Herford - X
08.03.2009 Stuttgart - Röhre
10.03.2009 Bochum - Matrix
12.03.2009 Rostock - Mau
13.03.2009 Dresden - Reithalle
15.03.2009 München - Backstage

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