Plan B

The Defamation Of Strickland Banks

Veröffentlicht: 30.07.2010 / Atlantic / Warner Music

Von: Andreas Weist

Plan B

Wahre Sommerhits lassen mitunter lange auf sich warten. "She Said" beispielsweise hielt sich über fünf Wochen in den britischen Top 5 – und jetzt, da die Tage wieder kürzer werden und der Regen Einzug hält, erobert die wundervolle Mischung aus Northern Soul, Motown und hartem Rap auch die Playlisten hiesiger Radiosender.

Plan B (eigentlich Ben Drew) wurde in London geboren und versuchte zunächst sein Glück als Schauspieler. 2006 erschien sein musikalisches Debüt "Who Needs Actions When You Got Words". Nicht unumstritten aufgrund seiner Sex & Crime-Lyrics, aber überaus erfolgreich mit der Mischung aus HipHop, weißem Soul und akustischen Einlagen. Sehr spannend auch die Anleihen an Radiohead und The Prodigy, die keineswegs peinlich wirkten. In seiner Heimat wurde er damit zum gefeierten Newcomer und konnte das zweite Album "The Defamation Of Strickland Banks" umgehend an der Chartspitze platzieren. Im restlichen Europa wird die Ohrwurm-Single hoffentlich zu einem ähnlichen Erfolg führen.

Der Albumtitel weist auf ein Konzeptwerk hin. Und tatsächlich: Plan B erzählt die Geschichte des fiktiven Soul-Sängers Strickland Banks, der mit bittersüßen Lovesongs über seine große Liebe zum gefeierten Star wird. Ein weiblicher Fan fühlt sich angesprochen, verbringt eine heiße Liebesnacht mit ihm und bezichtigt ihn – nachdem er sie anschließend zurückweist – der Vergewaltigung. Der zweite Teil des Albums beschäftigt sich dann mit den harten Erfahrungen im Gefängnis. Ein geschickter Schachzug Draws, auf diese Weise Soul und Rap in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Eine Symbiose, aus der das komplette Album lebt und das ihm ein deutliches Alleinstellungsmerkmal auf dem umkämpften HipHop-Markt verleiht.

Bezeichnend ist die klare Stimme Drews, die den Vergleich mit Paolo Nutini oder Daniel Merriweather nicht scheuen muss. Songs wie "Stay Too Long" verbinden Rock und Blues gekonnt mit mitreißenden Rap-Einlagen. "Hard Times" klingt nach dem Motown-Sound von Marvin Gaye und "I Know A Song" perfektioniert den akustischen Pop. Rapper der Gegenwart müssen wandlungsfähig sein, doch Ben Drew zeigt hier allen, was eine Harke ist, und entpuppt sich als wahrer Alleskönner.

Anspieltipps: Auf jeden Fall "Welcome To Hell" als Schlüsselsong zwischen Soul-Himmel und Rap-Hölle. Außerdem der Abschlusstrack "What You Gonna Do" in welchem uns Strickland Banks in einem Gerichtsplädoyer die komplette Story noch einmal rappend erzählt. Das Ergebnis bleibt offen. Vielleicht erfahren wir die Fortsetzung in "The Ballad Of Belmarsh", das in Kürze erscheinen soll.

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