The Last Goodbye

Alter Schwede! Psychopunch sind eine echt fleißige Truppe. Fast im Jahrestakt hauen die Jungs aus Vesteras jetzt seit deutlich über 10 Jahren ein Album nach dem anderen raus. Wurde ihre Musik am Anfang gerne als Punk’n’Roll tituliert, haben sich im Lauf der Jahre immer mehr klassische Rock’n’Roll, Hard- und Glam-Rock-Elemente dazugesellt. Die Entwicklungsschritte zwischen den Veröffentlichungen indes gingen fast unmerklich vonstatten. Welche Neuerungen darf man also erwarten, wenn man sich mit "The Last Goodbye" das neueste Psychopunch-Baby zu Gemüte führt?
Als ich vor einiger Zeit an dieser Stelle den Longplayer "Moonlight City" rezensieren durfte, hatte die Band einen deutlichen Schwenk zum Kommerziellen, verbunden mit variablerem Songwriting vollzogen. Und auf diesem Niveau hat sich das Ganze konsolidiert. "The Way She’s Kissing" oder "She Don’t Really Mind" sind genau die Songs, die eigentlich auf jedem Psychopunch-Album drauf sind, nur heißen sie jedesmal anders.
Der Wille zur erweiterten musikalischen Bandbreite ist noch etwas stärker als zuletzt erkennbar. Mittlerweile gibt es sogar Countryfiziertes: "Bring It On" klingt dabei stark nach Social Distortion und Sänger J-M tatsächlich wie Mike Ness. "I’m Not Over You" hat den noch stärkeren Yeeha!-Touch, der Songtitel bezieht sich aber nicht auf das Verhältnis eines Rodeo-Reiters zu seinem tierischen Gegenpart... Der Titelsong ist diesmal sogar als Ballade ausgefallen, man höre und staune! Aber das war’s auch schon mit den "Neuerungen". Psychopunch klingen halt wie sie klingen, das ist fast so verlässlich wie bei dieser Band aus Australien.
Im Unterschied zu den meisten früheren Psychopunch-Alben gibt es diesmal keinen einzigen Ausfall bei den Songs, nirgendwo verspürt man den Drang zum Skippen. "The Last Goodbye" macht vom Anfang bis zum Ende Laune. Sofern man natürlich die Lyrics auszublenden vermag. Die Vorstellung, diese textlichen Ergüsse in meiner Muttersprache hören zu müssen, jagt mir einen Horrorschauer in die Glieder. Aber hier kommen die Segnungen der englischen Sprache zum Tragen – unverkrampft und mit Attitüde vorgetragen wird aus Plattitüde purer Rock’n’Roll. Und ist es nicht auch dieser unverkrampfte Umgang mit dem Klischee, den der Psychopunch-Freund so schätzt? Wo Psychopunch draufsteht, ist eben Psychopunch drin. Sie werden sicher keinen Innovationspreis mehr gewinnen – aber inzwischen haben wir die Gewissheit, dass sie auch bei ihrer enormen Release-Frequenz nicht schlechter werden. Und das ist doch eigentlich gut, oder?