Rage Against The Machine

The Collection (5 CD-Box)

Veröffentlicht: 28.05.2010 / Epic / Sony Music

Von: Thomas Kröll

Rage Against The Machine

Als sich Rage Against The Machine vor nunmehr 19 Jahren in Los Angeles gründeten, ahnte wohl niemand, dass sie einmal als Speerspitze des Crossover gelten sollten. Mit ihrem Mix aus Metal, Hip Hop, Punk, Funk und Alternative Rock stiegen sie bis zu ihrer Auflösung im Jahre 2000 zu einer der bedeutendsten Bands des Genres auf. In dieser Zeit veröffentlichten Rage Against The Machine vier Studio- und ein Live-Album. Ihre gesamte Diskographie findet sich nun in der hochwertigen Sammlerbox "The Collection" wieder, inklusive aller Booklets und verpackt in schicken Mini-Vinyl Paper Sleeves.

1992 debütierten Frontmann Zack de la Rocha, Gitarrist Tom Morello, Tim Commerford am Bass sowie Brad Wilk am Schlagzeug auf Sony Music mit ihrem selbstbetitelten ersten Album - und das ohne zuvor auch nur ein einziges Konzert gespielt zu haben. Es war schlicht ein Demo, das die A&R-Leute beim Label überzeugte. Sie hatten den richtigen Riecher. "Bullet In The Head", "Bombtrack", "Killing In The Name" oder "Wake Up" machten das Werk zum wichtigsten Crossover-Longplayer der 90er Jahre. Als Gast ist Tool-Sänger Maynard James Keenan auf "Know Your Enemy" zu hören. Das Cover zeigt den vietnamesischen Mönch Thich Quàng Dúrc, der sich am 11. Juni 1963 in Saigon selbst anzündete, um damit gegen die Unterdrückung der Buddhisten zu protestieren. Hier das Video zu "Killing In The Name" für euch (über den Song wird später noch mehr zu reden sein): 

Rage Against The Machine waren stets eine politisch motivierte Band. So bezieht sich der Titel ihres Nachfolgealbums "Evil Empire" (1996) auf einen Ausspruch des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, der die Sowjetunion einst als "Reich des Bösen" (Evil Empire) bezeichnete. Musikalisch fiel der Longplayer deutlich Hip Hop-lastiger aus und hatte mit "Bulls On Parade" einen Single-Hit, der es bis auf Platz 8 der UK-Charts schaffte.

Seinen Höhepunkt erlebte das Quartett wohl mit dem drei Jahre später erschienenen "The Battle Of Los Angeles". Die zwölf Songs zeigen Rage Against The Machine so intensiv und unerbittlich wie selten zuvor. Das gilt sowohl für Tom Morellos innovatives Gitarrenspiel als auch für Zack de la Rochas Vocals. Als Beispiele seien da nur "Guerrilla Radio" oder "Voice Of The Voiceless" genannt, ein Stück, das Mumia Abu-Jamal gewidmet ist, einem US-Amerikaner, der 1982 in Philadelphia wegen Mordes an einem Polizisten zum Tode verurteilt wurde und seitdem in einem Hochsicherheitsgefängnis auf seine Hinrichtung wartet.

"Renegades", das vierte und bisher letzte reguläre Album der Band erschien schließlich 2000. Zur damaligen Überraschung enthält es ausnahmslos Cover-Songs in Rage Against The Machine-typischen Neuinterpretationen. Mit Stücken wie "Renegades Of Funk" (Afrika Bambaata), "Street Fighting Man" (Rolling Stones), "Kick Out The Jams" (MC5), "Maggie`s Farm" (Bob Dylan) oder "The Ghost Of Tom Joad" (Bruce Springsteen) schlagen sie einmal mehr eine Brücke zwischen Hip Hop und Rock. Ebenfalls auf "Renegades" zu finden ist "How I Could Just Kill A Man", im Original von Cypress Hill: 

Vorläufiger Schlusspunkt hinter die Geschichte von Rage Against The Machine aber ist "Live At The Grand Olympic Auditorium" von 2003, das ebenfalls als Live-DVD erschienen ist. Es enthält alle Hits, das MC5-Cover "Kick Out The Jams" und einen Gastauftritt von Cypress Hill beim oben gezeigten "How I Could Just Kill A Man". Die Konzerte am 12. und 13. September 2000 in Los Angeles sind die letzten von Rage Against The Machine bis dahin.

Denn nach weltweit über 12 Millionen verkaufter Alben verlässt Zack de La Rocha im Oktober des gleichen Jahres die Band. Die übrigen Mitglieder gründen daraufhin mit Ex-Soundgarden Sänger Chris Cornell das Projekt Audioslave, welches jedoch nach drei Alben (leider) schnell wieder begraben wird. Auch Zack de la Rocha ist alleine nicht wirklich erfolgreich. Also rauft man sich zur Freude der Fans 2007 tatsächlich wieder zusammen. Es folgen einige gemeinsame Konzerte, ein neues Album ist jedoch (vorerst) nicht in Sicht. Erwähnenswert bleibt aber sicherlich noch, dass "Killing In The Name" im Dezember 2009, also satte siebzehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, durch eine via Facebook initiierte Aktion auf Platz 1 der UK Single-Charts steigt und somit zur besten Chartsplatzierung der Band wird. Ziel der Aktion war es übrigens, Joe McElderry, den Gewinner der Casting-Show "The X Factor", vom Platz an der Sonne zu verdrängen. Hat geklappt!

Bis es aus dem Hause de la Rocha, Morello, Commerford und Wilk endlich wieder etwas Neues zu hören gibt, ist "The Collection" aufgrund der opulenten Verpackung und natürlich in erster Linie wegen des musikalischen Inhalts weit mehr als nur ein sentimentaler Zeitvertreib. Es ist eine in allen Belangen gelungene Retrospektive und eindrucksvoller Beleg dafür, warum der Schlachtruf "Fuck You, I Won`t Do What You Tell Me" zur Hymne einer ganzen Generation wurde.

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