God Willin' & The Creek Don't Rise

Bevor der US-Amerikaner Raymond Charles (genannt „Ray") LaMontagne 2004 mit "Trouble" für Aufruhr sorgte, spielte er zahlreiche, herausragende Demotapes ein (zum Beispiel "Acre Of Land" oder "Green", die man 2006 legal und kostenlos auf LaMontagne’s Internetseite runterladen konnte), die bis heute zu seinen glänzendsten Momenten gehören. War "Till The Sun Turns Black" (2006) noch fast auf dem gleichen Niveau, wie das Debüt, so zeigte "Gossip In The Grain" im Jahr 2008 leider eher eine etwas zahnlose Variante (ausgenommen das göttliche "You Are The Best Thing") des Songwriters aus Neuengland. Mit seinem vierten Album "God Willin‘ & The Creek Don’t Rise" knüpft der 37-jährige jetzt endlich wieder an die akustische Gewalt der Anfangstage an.
Nummern wie "Rock & Roll Radio", "Repo Man" oder "For The Summer" sind melancholische Sommerausklangsmusik, die dich Wochen und Monate begleiten, und immer wieder an kleine Episoden erinnern werden, in denen dich die Kraft von LaMontagnes Songs aus dem Alltag gezogen haben. Ein Beweis, warum man, wenn es um die wichtigsten Singer/Songwriter unserer Tage geht, den Namen Ray LaMontagne immer noch im Petto haben sollte. Zehn Tracks voller offener Hingabe und einem Händchen fürs Wurzeltreue.
Für die Arbeit an "God Willin‘ & The Creek Don’t Rise" stand Ray LaMontagne zum ersten Mal selbst hinter den Reglern und fungierte als Produzent. Vielleicht war das der Schlüssel, um einen Gang zurückzuschalten und den beiläufigen Schmusepop, den man auf "Gossip In The Grain" stellenweise hörte, auszuklammern. In den Wäldern von Massachusetts nahm Ray zusammen mit den hochwertig besetzten „Pariah Dogs" – Eric Heywood (Gitarre), Greg Leisz (Pedal Steel), Jennifer Condos (Bass), Patrick Warren (Keyboards) und Jay Bellerose (Schlagzeug) – alle Songs fast live auf. Die (fast) ungeschminkte Natürlichkeit merkt man allen zehn Tracks an. So müssen sich LaMontagnes Stärken – unpathetische Sehnsucht und raue Gefühlsgewalt – anhören!
An die erhabene Größe, der scheinbar kleinen Frühdemos reicht auch LaMontagne’s viertes Majoralbum nicht heran. Damals, frisch nach der Kündigung in einer Schuhfabrik, nahm er Songs wie "Back On The Mountain", "Water From The Well" oder "So Long Away" auf und bewies, dass er eigentlich nur seine raue Stimme und seine Gitarre benötigt, um Gänsehautlawinen zu erzeugen. "God Willin‘ & The Creek Don’t Rise" ist seit "Trouble" allerdings wieder die größte Annäherung, zu der der Songwriter in den letzten Jahren Lust hatte. Das verdient Lob und beide Ohren. Eine feine Platte, die besonders durch ihre reduzierten Momente begeistert.