Ray Wilson & Stiltskin

Live

Veröffentlicht: 20.04.2007 / InsideOut / SPV

Von: Andreas Weist

Ray Wilson & Stiltskin

Ob Ray Wilson ohne sein One-Hit-Wonder mit der Band Stiltskin und sein (leider recht kurzes) Gastspiel bei Genesis ein ebenso erfolgreicher Singer und Songwriter geworden wäre? Es ist müßig, darüber nachzudenken. Es ist wie es ist – und Ray ist ein genialer Frontman, ob allein mit Gitarre oder mit kompletter Band im Hintergrund.

Material gibt es in Hülle und Fülle: ob von seiner ersten Band, der Swing-Formation Guaranteed Pure, über die wir aber besser den Mantel des Schweigens decken, von der Formation Stiltskin, die einen Megaerfolg mit der Levi´s 501-Werbung hatte, sich anschließend aber zerstritt und auflöste, 1997 als Nummer 3 neben Banks und Rutherford bei Genesis, die ihn allerdings ob schlechter Plattenverkäufe in den USA wieder feuerten, von der dann gegründeten Band Cut, die aber nur eine CD herausbrachte, und schließlich Ray Wilson als Solokünstler mit bisher zwei bzw. drei Studioalben.

Warum diese Ungenauigkeit? Weil sich Ray auch selbst nicht ganz sicher ist. Das letzte Album „She“ sollte zunächst unter dem Bandnamen Stiltskin herauskommen, dann besann Ray sich aber anders und kurzfristig wurde das Album als Solo-Album unter dem Titel „Stiltskin“ promotet, bevor man es wieder „She“ benannte und als Künstlernamen Ray Wilson & Stiltskin angab. Klingt verwirrend? Nicht schlimm. Im Grunde hat es tatsächlich mit der früheren Band wenig zu tun und ist ein astreines Solo-Werk, das aber bedeutend härter klingt als die vorherigen ruhigen Soloalben.

So liegt der Schwerpunkt bei diesem Live-Album auch ganz klar auf den rockigeren Stücken. Von dem vorhergehenden Solomaterial gibt es gerade mal „Adolescent Breakdown“ von „The Next Best Thing“, ansonsten drei Stücke der alten Stiltskin, vier Werke von Cut und ganze acht Stücke des aktuellen Albums. Also nichts von Genesis, die Ray normalerweise live immer mit einer Reihe von Songs einbrachte, die zudem im Original nicht unbedingt vom 97er-Album stammen musste. Dies ist jedoch schon auf einer Reihe von Live-CDs dokumentiert und wie man hört, gibt es auf der aktuellen Tour wieder den obligatorischen Genesis-Part. Also kein Grund zum Trauern.

Opener ist das atmosphärische, wunderschön eingesungene „Sunshine And Butterflies“. Dann folgt die rockige Cut-Ballade „Sarah“. Wilson ist von Beginn an in seinem Element und interpretiert die Songs einzigartig mit verrauchter Stimme. Es folgen die aktuellen Knaller „Fly High“ und „Constantly Reminded“, bevor „Gypsy“ und mein Favorit „Another Day“ erneut die Cut-Phase beleuchten.

Die 2006er Single „Lemon Yellow Sun“ läutet eine Reihe aktueller Songs ein, die vom Publikum begeistert aufgenommen werden. „Adolescent Breakdown“ bringt eine ruhigere Stimmung in das Konzert, die „Some Of All My Fears“ mit sehr harten Tönen wieder auflöst. Dann folgen „Footsteps“ und „Inside“, die noch nichts von ihrem alten Glanz verloren haben.

Für „Fame“ verkleidet sich Wilson als 22jähriges Casting-Mäuschen Maria und bringt den Saal mit dem ironischsten Song des Abends zum Schmunzeln.

Ray Wilson hat´s einfach drauf. Er ist ein hervorragender Geschichtenerzähler – wobei dies auf der 2006er-Tour allerdings etwas auf der Strecke blieb. Dennoch glänzt er live und zeigt, dass er neben seiner wunderbaren akustischen Seite ein starkes rockiges Potential hat. Ich will auch in Zukunft viel von beidem hören. Ohne ihn würde der Welt ein genialer Songwriter fehlen.

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