Revolverheld

In Farbe

Veröffentlicht: 12.03.2010 / Columbia / Sony Music

Von: Andreas Weist

Revolverheld

Sehr farbig sind Revolverheld auf ihrem dritten Longplayer nach drei langen Jahren des Wartens unterwegs. Seit sie beim Bundesvision Song Contest 2006 mit "Scheiß auf Freunde bleiben" einen hervorragenden zweiten Platz belegten, steht ihr Name für intelligente Gitarrenmusik mit unverblümten deutschen Texten. Erster Vorbote des neuen Albums "In Farbe" war dann mit "Spinner" auch eine Single ganz nach dem Geschmack der Fans. Rauer Gesang und ein Text mit verrückter, äußerst optimistischer Grundeinstellung. Ein Ohrwurm, wie er im Buche steht. Sänger Johannes Strate bezieht diese fast schon euphorische Einstellung auf den kompletten Longplayer: "Inhaltlich ging es uns darum, einen positiven und optimistischen Blick auf uns und die Welt da draußen in die Songs zu packen."

Für dieses Vorhaben halten dreizehn Songs her, die alle Facetten des Quintetts zeigen. "Ich werde nie erwachsen" thematisiert als rockiger Opener zum einen den Sprung von der Teenieband zum ernstzunehmenden Rockact, wird aber gleichzeitig auch zum Mantra des reifer gewordenen Künstlers, der sich seine jugendliche Frische möglichst lange erhalten will. Textzeilen wie "Wer ist das denn neben mir – keine Ahnung – raus hier" knüpfen jedenfalls nahtlos an die frechen Lyrics der Vorgängeralben an.

"Halt dich an mir fest" funktioniert als wunderschöne Rockballade, die den schwierigen Moment kurz vor oder kurz nach einer Trennung bildgewaltig festhält. Das ruhige "Die Liebe liebt mich nicht" wird zum frustrierten Selbstgespräch und berührt ebenso wie "Keine Liebeslieder". Melancholisch, aber ohne ein Versinken im Tränenmeer. Fröhlicher kommen daneben die Rocker "Immer einen Grund zu feiern" und "Laute Menschen" daher.

Revolverheld enttäuschen auch mit ihrem dritten Album nicht. Die lange Pause hat den Jungs hörbar gut getan. Man hat sich nicht neu erfunden – dazu bestand auch keine Notwendigkeit – man hat sich aber auch von dem Erfolg nicht zu einem Schnellschuss hinreißen lassen. Strate berichtet von einer Session in Dänemark, die 22 Songs als Ergebnis hatte, von denen es aber nur einer aufs Album schaffte. So hört sich das Ergebnis an: Wie ein langer, durchdachter Prozess mit dem Ziel, einen Longplayer aus einem Guss zu schaffen. Mission gelungen.

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