El Otro Lado / The Other Side

Arizona hat kürzlich ein Gesetz erlassen, das es Polizisten erlaubt, Leute auf der Straße nach ihrem Ausweis zu fragen, wenn diese wie illegale Einwanderer aussehen. Wenn also jemandem in der richtigen Position deine Nase nicht passt, musst du in Arizona künftig aufpassen nicht direkt in die Gefahr der Abschiebung zu geraten, wenn du deine Papiere vergessen hast. So zumindest die Theorie. Dass du – solange du kein Fahrzeug führst – in den USA nicht verpflichtet bist einen Ausweis mit dir herumzutragen, fällt dabei gerne unter den Tisch. Spätestens seit dieser Willkürposse ist der Umgang mit illegalen Einwanderern wieder ganz oben auf der Tagesordnung, nicht nur in Arizona.
Auch Blue Rose-Urgestein Rich Hopkins beschäftigt sich nun mit diesen und anderen Schattenseiten des „Amerikanischen Traums". Zusammen mit seiner – sich über die Jahre stetig im Wechsel befindenden – Backingband, den Luminarios, veröffentlichte der Wüstenrocker aus Arizona Ende Mai das neue Studioalbum "El Otro Lado / The Other Side". Zehn Songs, die gewohnt (Wüsten)gitarrenlastig und mit ungeheuer viel Rock’n’Roll-Dampf ausgestattet daherkommen. Neben Gefühligem ("U R Not Alone") stehen beim Altmeister des gepflegten Desert-Rock natürlich kernig-krachende E-Gitarren im Mittelpunkt. Ein Muss, das gerne (und reichlich) bedient wird.
Zu den Luminarios gehören dieses Mal Hopkins‘ frischgebackene Ehefrau Lisa Novak (u.a. Gesang, Gitarre, Percussion) und das langjährige Rhythmusgruppenduo Ken Andree (Bass) und Bruce Halper (u.a. Schlagzeug). Darüber hinaus wurden die Sessions von Namen wie Chad Morrow (Tremelo Guitar bei "Breathe In, Breathe Out)", Javier Gomez (u.a. zuständig für die grandiosen Trompetenmomente bei "Guajira" und "El Otro Lado") oder Kevin Pakulis (Slide Guitar bei "Land Of Broken Dreams") ergänzt.
Am Ende von "El Otro Lado Suite" (ein episches Hopkins/Novak-Stück in drei Akten) heißt es: Hey, was it worth leaving home? / How do you like the "land of the free"? Rich Hopkins sitzt in einem Zentrum des illegalen Einwanderungsproblems (Tucson, Arizona) und hat zusammen mit seinen Luminarios – allen voran Lisa Novak, die acht der zehn vertretenen Songs gemeinsam mit Hopkins geschrieben hat – ein Album aufgenommen, das einige der Mythen, Ungerechtigkeiten und Versäumnisse in Desert-Rock-Songs packt. Klar, eine wissenschaftliche Thematikabhandlung darf man nicht erwarten, aber dafür ein ausgewachsenes Rockalbum, das Farbe bekennt. Und jede Menge Gitarren und das nötige Feedback gibt’s natürlich auch. Versteht sich bei Rich Hopkins ja eh fast von selbst.