Ringo Starr

Liverpool 8

Veröffentlicht: 11.01.2008 / Capitol / EMI

Von: Sascha Knapek

Ringo Starr

Neben dem norwegischen Stavanger ist die Beatles Heimstätte Liverpool dieses Jahr eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte. Klar, dass die Fab-Four dabei eine hervorgehobene Rolle spielen. Aus diesem Anlass gab Beatles-Drummer Ringo Starr am 12. Januar ein gefeiertes Konzert in seiner Heimatstadt. Neben alten Klassikern präsentierte Starr sein brandneues, sechszehntes Studioalbum „Liverpool 8“. Wie der Name verrät, eine Hommage an die Stadt im Nordwesten Englands.

Die zwölf neuen Songs auf „Liverpool 8“ überzeugen durch die Mischung aus altbekanntem und kleinen Innovationen. Der hymnenartige Titeltrack „Liverpool 8“ erinnert ebenso andächtig und grinsend an die Beatles wie „If It’s Love That You Want“ und „Tuff Love“. Das durchgehend hohe Niveau wird lediglich vom langweilig und wenig originellen „Pasodobles“, dem schläfrigen „Harry’s Song“ und einem verunglückten Ausflug in die Sitarzukunft („Gone Are The Days“) unterbrochen. Allerdings wird der letztgenannte Song nach anderthalb Minuten sogar noch recht spaßig und entschädigt für das etwas aufgesetzt wirkende Intro. Die ausgiebige Mitarbeit von Dave Stewart (u.a. Eurythmics) merkt man „Liverpool 8“ an allen Ecken und Kanten an. Sauber durchstrukturiert und glasklar produziert sind das bluesige „Think About You“ und das poppige „For Love“ weitere Beweise dafür, dass das kreative Großteam (insgesamt waren sechs Personen am Songwriting beteiligt) „Liverpool 8“ äußerst gut getan hat.

Wenn man Ringo Starr an den songwriterischen Fähigkeiten seiner ehemaligen Mitstreiter misst, kommt er bestenfalls mit einem anerkennenden und absolut nicht böse gemeinten „nett“ davon. Daran ändert sich auch mit „Liverpool 8“ nichts. Lässt man die schier übermächtigen Harrison, McCartney und Lennon jedoch einmal außen vor, eröffnet Ringo einem sein wahres Gesicht. Mit der Unterstützung von Dave Stewart, Mark Hudson, Steve Dudas oder Gary Burr präsentiert Starr dem Hörer einen gealterten und trotzdem voll im Saft stehenden Ex-Beatle der einen eigenen Weg geht, in seinen Songs ein paar nostalgische Momente zitiert, sich erfreulich zeitgemäß gibt und dessen neues Album sich somit nicht vor diversen Altersgenossen zu verstecken braucht. Speziell im Vergleich zu McCartney’s Spätwerken schneidet „Liverpool 8“ äußerst originell und souverän ab.

Was das englische Liverpool anbetrifft, kann man also ohne Frage konstatieren: Wer einen Botschafter wie Ringo Starr hat, nennt sich zu Recht Kulturhauptstadt 2008. 

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