Ronan Keating

Songs For My Mother

Veröffentlicht: 08.05.2009 / Polydor / Universal Music

Von: Andreas Weist

Ronan Keating

Der Traum aller Schwiegermütter baut seinen Ruf weiter aus und legt als weiteres Mosaiksteinchen ein Album vor, das er komplett seiner verstorbenen Mutter gewidmet hat. Es enthält Coverversionen von neun Lieblingssongs der an Krebs gestorbenen Frau und einen zehnten, den Keating kurz nach ihrem Tod verfasst und bisher nicht veröffentlicht hat. Damit ist klar, dass es sich um ein sehr ruhiges, sentimentales, balladeskes Album handelt – aber das sind wir von dem Ex-Boyzone-Sänger sowieso nicht anders gewohnt. In Deutschland erscheint die CD pünktlich zum Muttertag (richtig: kommender Sonntag – nicht vergessen!) und enthält als kleines rühriges Beiwerk ein ausgedehntes Booklet mit Muttertagsgrüßen, die Teilnehmer an einem Gewinnspiel einsenden konnten.

Die Coverversionen spannen einen Bogen von weltbekannten Songs wie Cyndie Laupers "Time After Time" über R. Kellys Überflieger "I Believe I Can Fly" bis hin zu Presley "Suspicious Minds", dem hier aber die ungleich rhythmischere Version der Fine Young Cannibals zugrunde liegt. Keating singt die Stücke mit sonorer Stimme und versucht bisweilen, seinen eigenen Stempel aufzudrücken, was ihm aber gerade bei den bekannten Songs nur ansatzweise gelingt. Da, wo der direkte Vergleich fehlt, klingt er authentischer, beispielsweise wenn er das Traditional "Carrickfergus" zu neuem Leben erweckt oder Joshua Kadisons "Mama’s Arms" schmachtet. Zu jedem Track gibt es emotionale Linernotes, die den Bezug zur verstorbenen Mutter herstellen. Dazu sagt Keating selbst: „Diese Songs auszuwählen, die meiner Mutter am meisten bedeuteten, war für mich sehr emotional. Es brachte ein paar tolle Erinnerungen an meine Kindheit zurück, und natürlich an die schwere Zeit, als meine Mum an Krebs starb. Ich hoffe, dass Euch das Album Freude macht – und ihr beim Anhören mit Liebe an Eure eigene Mutter denkt.“

Bei soviel triefender Rührseligkeit fällt es natürlich schwer, objektiv zu bleiben. Wenn ich die Erklärungen im Booklet lese und die liebevoll zusammengestellte Bildleiste mit Erinnerungen an die Verstorbene betrachte, nehme ich Keating seine Ambitionen ohne Weiteres ab. Daneben erkennt man aber auch die gelungene Marketingstrategie, die in der Veröffentlichung zum Muttertag gipfelt. Das Album ist schön geworden und trifft in die Herzen. Es ist aber auch absolut homogen gestaltet und Überraschungen irgendwelcher Art sind eindeutig Fehlanzeige. Ronan Keating singt wie Ronan Keating und interpretiert Songs, die zu Ronan Keating passen. Das wird seinen Fans gefallen und ist sicher auch ein schönes Geschenk für alle Menschen, die seine Stimme mögen.

Die einzige Eigenkomposition "This Is Your Song" setzt das Konzept nahtlos fort und bietet in knapp vier Minuten Länge einen Song, der auf jedes Album des Künstlers passen würde, sich aber textlich der besonderen Thematik annimmt. Lassen wir also Keating seine Vergangenheit verarbeiten und hoffen, dass er sich nicht bis zum Ende seiner Karriere auf das Muttersöhnchen-Image festlegt. Stimmlich ist da doch viel mehr Potential.

Darf man dieses Album nun seiner Mami zum Ehrentag schenken? Oder vielleicht seinen Kids in die Hand drücken, damit sie es beim Sonntagsfrühstück überreichen? Man darf, denn es bereitet Freude – ohne Frage – und widmet sich dem Thema auf charmante Weise. Das kann über peinliche "Was soll ich bloß schenken?"-Momente hinweg helfen. Eine hübsche, muttertags-kompatible E-CARD findet ihr HIER.

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