RPWL

The Gentle Art Of Music (2 CD)

Veröffentlicht: 26.03.2010 / Gentle Art Of Music / Soulfood

Von: Andreas Weist

RPWL

Wie die Zeit vergeht – ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Band aus Freising vor zehn Jahren von einschlägigen Magazinen als die "deutschen Pink Floyd" gefeiert wurde. Wen wundert’s: waren sie doch ursprünglich eine Pink-Floyd-Coverband. Ein Umstand, den man den ersten eigenen Songs des Debütalbums "God Has Failed" noch deutlich anmerkt. RPWL steht für die Anfangsbuchstaben im Nachnamen der vier Gründungsmitglieder. Das "R", Phil Paul Rissettio, verließ die Band schon im Jahr 2003. Doch Yogi Lang sowie Kalle Wallner – ganz klar das Herz der Band – sind seit Beginn an dabei und Christian Postl ist nach dreijähriger Auszeit inzwischen wieder voll im Dienst.

Progressive Rock ist in Deutschland immer noch eine vernachlässigte Nische. Das war nicht immer so. Schließlich zählt auch der weltweit bekannte Krautrock dazu und die alten Herren von Tangerine Dream, Grobschnitt und Eloy sind heute noch aktiv. Doch an jüngeren Bands fallen einem spontan nur Sylvan und RPWL ein, die die Krone des deutschen Artrock mit jeder Veröffentlichung wechselseitig vom Norden in den Süden und wieder zurück schicken.

Zehn turbulente Jahre liegen nun hinter den Freisingern (wenn man nicht noch die drei Jahre als Coverband hinzu zählt). Grund genug, dies ausgiebig unter dem Motto "The Gentle Art Of Music" zu feiern. Das neue Doppelalbum greift genau diese Idee auf und bietet neben einer Best-Of-Compilation auch eine völlig neue Sicht auf RPWL. Die Songs auf der zweiten Scheibe sind nämlich RPWL-Klassiker im völlig neuen Gewand.

CD 1 zieht sich chronologisch durch die fünf Studioalben. Das noch sehr floyd-lastige Debüt ist mit "Hole In The Sky" und der Ballade "Crazy Lane" vertreten. Ebenso bombastisch geht es mit dem Album "Trying To Kiss The Sun" und "I Don’t Know" weiter. Das soundgewaltige "Home Again" spricht hier Bände. "Stock" war kein gewachsenes Album, sondern eher etwas wie Resteverwertung. Das tat der Qualität aber keinen Abbruch und mit "The Gentle Art Of Swimming" ist ein atmosphärisches Meisterwerk dabei. Das 2005er "World Through My Eyes" erfuhr größere Aufmerksamkeit durch den Song "Roses" mit Gastsänger Ray Wilson. Die Richtung hat sich insgesamt verändert, denn die Songs klingen melodischer als bei den Vorgängern. Und für "The RPWL Experience" erweitert sich das Klangspektrum auf ein Neues. Mit der wundervollen Ballade "River" überzeugt Yogi Lang absolut von seinem vokalistischen Können. Etwas schmalztriefend im Text vielleicht – aber von einer wundervollen Zartheit, der im zweiten Teil ein düsterer elektronischer Klangteppich gegenüber gestellt wird. "Choose What You Want To Look At" ist der vom Härtegrad sicherlich überraschendste Song des Albums, in dem es neben den eindringlichen Vocals noch einige ungewöhnlich alternative Klänge zu entdecken gilt.

Für CD 2 hat sich die Band namhafte Unterstützung mit ins Boot geholt: völlig neue Wegbegleiter wie Tom Norris (London Symphony Orchestra) oder der weltberühmte Hang-Spieler Manu Delago sind auf dem Jubiläumsalbum zu hören und geben altbekannten Songs ein völlig anderes Gesicht. Dabei beschränkt man sich nicht auf die übliche akustische "unplugged"-Instrumentierung, sondern geht neue Wege, die fast schon in eine weltmusikalische Richtung (beispielsweise bei "Trying To Ki8ss The Sun") führen. Auch vor Jazz-Klängen schreckt man nicht zurück, wenn zu "Moonflower" Julia Schröters reizende Vocals den guten Yogi betören.

Hier indianische Instrumente, dort Streicher oder ein Saxofon. Da erschließen sich klanglich ganz verschiedene Welten und eine entspannte Sicht auf den Backkatalog. Das ganze wird verpackt in ein Hardcoverbuch mit zwölfseitigem Booklet, welches zwar wenige Infos aber zumindest eine Auflistung der Veröffentlichungen und eine ausführliche Aufzählung der Gastmusiker bietet. Leider kein neues Material, aber eine gelungene Zusammenstellung "für zwischendurch".

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