It’s A Sonic Life

Die New Yorker Noiserocker Sonic Youth und Jazz – das ist eine Kombi, die für mich auf den ersten Blick alles andere als zusammenpasst. Was bewog also das Schweizer Jazztrio Rusconi, ausgerechnet deren Musik für ihr Tribute-Album mit dem griffigen Titel "It’s A Sonic Life" auszuwählen? "Die Musik von Sonic Youth hat sich über viele Jahre wie ein Gefühl in mir aufgebaut", sagt Pianist Stefan Rusconi dazu. Und es gibt durchaus Gemeinsamkeiten: Anfang der 80er, als sich Sonic Youth in New York gründeten, entstammten sie den gleichen Musikerkreisen, aus denen die Fusionjazz-Pioniere Lounge Lizards hervorgingen. Auch Sonic Youth waren – zumindest zu Beginn – für freie Improvisation offen und sprengten die Grenzen konventioneller Rockmusik.
Rusconi nähern sich der Musik nun aus ihrer ganz eigenen Perspektive und transformieren sie in das klassische Format des Piano-Trios, wobei sie ausschließlich akustische Instrumente benutzen. Fabian Gisler sorgt für ordentlichen Bass-Groove und Claudio Strüby setzt am Schlagzeug präzise Akzente. So kommen sowohl Jazz-Fanatiker, als auch (mit etwas Liebe zur Musik) Fans von Sonic Youth auf ihre Kosten – wobei fairerweise gesagt werden muss, dass das Ergebnis oft wenig mit dem Original gemein hat. Oft mussten die Ausgangsstücke gar beschleunigt werden, um in das neue Schema zu passen. Schließlich besteht immer die Gefahr, dass bei instrumentalen Interpretationen Langeweile aufkommt.
Rusconi vermeiden Langeweile recht gekonnt. "Theresa’s Sound-World", "The Destroyed Room" und "Hits Of Sunshine (For Allen Ginsberg) " scheinen wie geschaffen für diese Form der Umsetzung. Und geschickt weben Rusconi drei eigene Stücke in das Album ein, deren Ausscheren aus dem Konzept absolut nicht auffällt: "A Cat Goes Alone", "Into The Heart" und "The Wind Is Blowing". Energie und Emotionen übertragen sich auf den geneigten Zuhörer und verstehen mitzureißen.
"It’s A Sonic Life" ist sowohl Liebeserklärung an eine Ausnahmeband als auch ein eigenständiges, viertes Album der Schweizer. So schafft man ein Gesamtkunstwerk, das durch das geniale Artwork von Pipilotti Rist noch an avantgardistischem Ausdruck gewinnt und die Hommage an Sonic Youth vervollständigt. Für Freunde kultivierter – aber auch anstrengender – Musik sehr empfehlenswert.