Liebesfarben

Ich gestehe: Der konservativ anmutende Name Sabine Hank, ein Album namens "Liebesfarben", das Cover in verschiedene Violett-Töne getaucht – schreit mir ein entsetztes "Schlager!" entgegen. Doch überrascht sehe ich, dass Hubert von Goisern das Werk produziert hat. Und ich bin mir tief im Herzen sicher, dass der gute alte Alpenrocker niemals in die Fußstapfen von Dieter Bohlen tappen wird und somit auch nicht alles produziert, was bei drei nicht in den Bergen ist. Muss man wohl rein hören, um sich ein Urteil zu bilden.
Der erste Song "Wein für mich" ist der Hammer! Ganz reduziert auf eine Begleitung aus Kontrabass und Rhythmus zeigt die Sängerin, was sie stimmlich drauf hat. Ein emotionaler Moment. Das hört sich so gigantisch an, dass das Album auf Anhieb gewonnen hat. So schlimm kann es nicht mehr werden, dass dieser positive Ersteindruck noch zerstörbar ist.
Sabina Hank ist Österreicherin und stammt aus Salzburg. Dem perfekten Ort, um schon als Fünfjährige eine klassische Klavierausbildung am Mozarteum zu beginnen. Zudem studierte sie Jazzgesang und Jazzpiano. Sie gilt als Synästhesistin, d.h. zwei physisch getrennte Wahrnehmungsbereiche sind aneinander gekoppelt. Sie hört in Farben. Daher auch der Albumtitel "Liebesfarben" für ein Werk, das von Liebe, Sehnsucht und Romantik erzählt.
Acht Alben sind seit 1997 bereits erschienen. Das aktuelle Werk ist insgesamt sehr jazzig angehaucht, es finden sich einige Blues-Elemente aber auch viele Strukturen einfacher Popsongs. "Pop" wohlgemerkt, nicht Schlager. Damit sind Vergleiche zu den Alben von Norah Jones durchaus angebracht.
Die Songs auf "Liebesfarben" sind durchweg Eigenkompositionen und bis auf den letzten Song "Travelling" alle in deutscher Sprache. Mit dieser Herangehensweise hebt sie sich positiv von der gegenwärtigen Jazzkultur ab und man sollte ihr ein Ohr gönnen. Anspieltipps: "Weil ich dich liebe" (feat. Meister von Goisern an der akustischen Gitarre) und "Spaziergang im Regen".