Heads Or Tales - live

Der Weggang von Michael Sadler bei Saga kam für viele Fans überraschend. Die Rückkehr ist weniger sensationell, denn wenn man jetzt zurück blickt, hatte der Ex-Fronter nie ausgeschlossen, irgendwann wieder für die Band zu singen, und sich im Prinzip nur eine Art "Sabbatjahr" für die Familie genommen. Blöd nur für Rob Moratti, denn es zeigt sich nun, dass er nie wirklich in der Truppe angekommen ist und für alle eine Art Lückenbüßerfunktion hatte. Interessant wird es nun im Herbst, wenn Saga mit Marillion auf Tour gehen: Dann haben wir eine Band, bei der der Wechsel des Fronters (von Fish zu Steve Hogarth) hervorragend geklappt hat und eine, die lieber am Bewährten festhält. Ich vermute mal, das wird sich auch in der Songauswahl wiederspiegeln.
Ein letztes Lebenszeichen des Abgängers gibt es nun mit der Live-CD "Heads Or Tales - live". Über den Sinn dieser Veröffentlichung lässt sich trefflich streiten. Vermutlich war sie schon geplant, als die Rückkehr Sadlers noch nicht im Gespräch war. Würde man sich sonst auf die komplette Live-Performance eines Albums aus dem Jahr 1983 beschränken? Wohl kaum. Schließlich ist das einzige Studioalbum mit Moratti ("The Human Condition") ein hervorragendes Stück Musik, das man gerne losgelöst vom Backkatalog der Band betrachten und für gut heißen kann.
Die bange Frage war doch von Anfang an: Wie kann Moratti die prägnante Stimme des Vorgängers ersetzen? Er ist zweifelsohne ein Sänger, dessen Stimme mit Sadler so gut wie nichts gemein hat. Das war wohl auch die richtige Entscheidung – hätte er sich doch sonst ständig an ihm messen lassen müssen. Er machte seine Sache sehr gut und die langjährige Erfahrung im harten rockigen Bereich ist ihm auch bei dieser Liveaufnahme anzumerken. Im musikalischen Bereich bleiben sich Saga treu und liefern den typischen Sound der Klassiker ab. Moratti aber setzt seine eigene Interpretation oben drauf ohne die Fans zu erschrecken. Das ist eine hervorragende Leistung.
So sehe ich den Wechsel am Mikro mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Michael Sadler wieder auf der Bühne zu sehen, wird ein Genuss – ohne Frage. Doch mir hätte es auch gefallen, wenn Rob Moratti sich in die Rolle des Sängers besser herein gefunden hätte und zur musikalischen Einheit mit den Kollegen geworden wäre. Schade eigentlich.