Network

Als Saga vor 25 Jahren mit „Images at Twilight“ von Kanada auszogen, um die musikalische Welt zu erobern, war ich gerade mal 12 Lenze alt. Erst Jahre später habe ich dann ihr grandioses Live-Album „In Transit“ von 1982 für mich entdeckt. „Humble Stance“ oder „Don`t be late“ machen mir selbst heutzutage noch eine stabile Ganzkörpergänsehaut. Dass Saga nach all der Zeit weiterhin gut im Geschäft sind, spricht für sich und da ich die Band zwischendurch doch wieder aus den Ohren verloren hatte, war ich recht gespannt auf ihr neues, insgesamt 21. Album „Network“.
Der Opener „On the Air“ klingt gleich sehr vielversprechend. Erinnert mit seinem Synthie-Seufzen und den typischen Gitarrenläufen stark an die alten Saga. Ein ruhiger Einstieg, der sich ins hymnenhafte steigert, mit schöner Pianosequenz im Mittelteil. Abwechslungsreich und dynamisch (****).
„Keep it reel“ kommt mit einem fetten Bass und fetten Drums! Saga rocks! Ein von Ian Crichton`s Gitarre getriebener Rhythmus, er ist hier eindeutig der Chef im Ring. Danke dafür und (*****).
Spätestens mit „I`m back“ fühle auch ich mich wieder auf Zeitreise in die 80er. Saga machen nach wie vor Laune! Der Song rockt zwar auch gut, fällt gegenüber „Keep it reel“ aber etwas ab. Der schöne, eingängige Chorus verhilft ihm aber noch zu guten (****).
Dann wird`s erst mal eine Spur ruhiger. „If I were you“ ist eine wunderschöne Ballade mit Akkustikklampfe, Synthieteppich und Piano. Hat fast was von Clannad (wenn man die Augen zumacht). Mein Favorit! Und da ich nun mal ein Gefühlsmensch bin, gibt es liebevolle (*****).
„Outside looking in“: Wieder sehr hymnenhaft, was dem Stück ein grosses Hitpotential verleiht. Abwechslungsreich, viele Breaks und ein sanftes Piano. Macht zusammen (****).
Für „Don`t look now“ haben Saga tief in die Kiste mit dem „Pop“-Schildchen gegriffen. Ian Crichton lässt ein Gitarrenriff los, das mich auf der Stelle wieder 25 Jahre jünger werden lässt (Ich habe wieder Haare!!!). Sein Solo ist genial: Erst spielt er es langsam auf einen imaginären Höhepunkt zu, um dann unvermittelt dem Piano Platz zu machen (*****).
„Live at Five“ ist Saga-Sound pur! Die Melodiefolge ist dunkel und kraftvoll! Cool! Erreicht knapp aber verdient (****).
„Back where we started“ knüpft nahtlos an “Live at Five” an, ohne dessen Klasse zu erreichen. Auch Michael Sadler`s Gesang klingt mir hier ein wenig zu weinerlich (**).
Leider scheint Saga zum Ende des Albums hin ein wenig die Puste auszugehen. „Believe“ ist jedenfalls ein Totalausfall, der (sorry!) eher auf den Soundtrack einer dieser hirnlosen Verkupplungsshows im Fernsehen gepasst hätte. Die Gitarre lässt mich erschaudernd an die Scorpions denken. Ganz knapp noch (*).
Auch „Don`t make a sound“ als letzter Track ist völlig missraten und unter Saga-Niveau. Der Sound klingt dumpf und Michael Sadler verdächtig nach Boy George. Die Tempowechsel reißen`s dann auch nicht mehr raus. Leider ( ).
Fazit: Trotz der beiden Schwachpunkte am Ende ist „Network“ ein gutes, weil typisches Saga-Album. Ich würde mir wünschen, dass sie damit nicht nur ihre ohnehin treuen Fans beglücken, sondern auch neue hinzugewinnen. Verdient wär`s! Die Band klingt sehr druckvoll, offensichtlich hat ihnen der Wechsel am Schlagzeug (Christian Simpson kam für Steve Negus) nicht geschadet.
An dieser Stelle steht dann gerne „The Saga continues“. In der Qualität von mir aus bitte noch mal 25 Jahre!