Saga

The Human Condition

Veröffentlicht: 27.03.2009 / InsideOut / SPV

Von: Andreas Weist

Saga

SAGA haben in den letzten Jahren wahrlich ein Wechselbad der Gefühle unter ihren Anhängern ausgelöst. Da war zunächst die umjubelte Tour, auf der das Megawerk "Worlds Apart" komplett aufgeführt wurde.  "10.000 Days" wurde allen Unkenrufen zum Trotz zum standesgemäßen Abschied für Michael Sadler – und die Abschiedstounee des Sängers, der die Geschicke der Band gemeinsam mit den Chrichton-Brüdern mehr als 30 Jahre lang geführt hat, wurde zum Triumphzug durch die altbewährten Wirkungsstätten. Wer nun allerdings glaubte, der Ausstieg Sadlers führe zum Ende der Band, wurde schnell eines Besseren belehrt: SAGA baten per Internetrundschreiben um Videobewerbungen und die Wahl fiel auf den Final Frontier-Sänger Rob Moratti, der zudem noch in Toronto lebt und die Band damit zumindest geographisch zurück zu den Wurzeln führt. Seine erste Show mit der Band fand recht schnell am 20. Juni 2008 in Mount Forest im kanadischen Ontario statt und es heißt, der Neue habe sich recht wacker geschlagen. Während Michael Sadler inzwischen mit Pur-Gitarrist Rudi Buttas ganz neue Wege geht, wartet die Fangemeinde mit Bangen und Hoffen auf das neue Album, das dieser Tage in den Regalen steht.

Der Opener und Titelsong startet schon mal sehr verheißungsvoll. Als Clou – und um die Spannung zu erhöhen – handelt es sich um ein Instrumental (nur mit Backgroundgesang), das ganz im Stil der alten SAGA gehalten ist. Man stelle sich jetzt schon vor, dass die Konzerte der bald startenden Tour diesen Song an den Anfang stellen und erst mal den alten Mitstreitern Gelegenheit zum Austoben gibt, bevor Rob auf der Bühne erscheint. Auch in den übrigen Songs wird die Linie von "Trust" und "10.000 Days" konsequent und zur Freude der Fans fortgeführt. Ausrutscher wie "Pleasure And Pain" und das unsägliche "Steel Umbrellas" sind zum Glück längst vergessen. Das Werk ist abwechslungsreich und bewegt sich sicher durch die Gefilde von Rock und Progressive Rock. Mehrstimmige Gesangsparts, ausufernde Soli sowie Anklänge an Jazz und Fusion lassen allerdings nur noch wenig von der alten Melodic-Rock-Attitüde durchschimmern. Das mag einige Fans enttäuschen – mir persönlich allerdings liegt die Progschiene sehr.

Was ist aber nun mit Rob Moratti? Er ist zweifelsohne ein Sänger, dessen Stimme mit Sadler so gut wie nichts gemein hat. Das war wohl auch die richtige Entscheidung – müsste er sich doch sonst ständig an ihm messen lassen. Er macht seine Sache gut und die langjährige Erfahrung im harten rockigen Bereich ist ihm anzumerken und glänzt auch über das ganze Album hinweg. Balladen sind bis auf die ruhigen Klänge von "Now Is Now" Fehlanzeige. Das Ganze klingt ein wenig nach meinen Proghelden Spock’s Beard oder auch Sylvan, was gewiss kein Nachteil ist.

Auf jeden Fall zeigt "The Human Condition", dass die Legende auch ohne Sadler weiterlebt. Wir dürfen auf die 2009er Live-Termine gespannt sein und uns überraschen lassen, wie Moratti die alten Stücke interpretiert. Ich erkenne mal bedingt positive Vorzeichen.

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