Saga

Worlds Apart Revisited [Doppel-CD]

Veröffentlicht: 27.04.2007 / Inside Out / SPV

Von: Andreas Weist

Saga

Eine Ausnahmeband knöpft sich ein Ausnahmealbum vor und versucht sich nach 25 Jahren an einer Neu-Interpretation. Mutige Sache, immerhin hatten sie gerade mit den darauf enthaltenen Singlehits „On The Loose“ und „Wind Him Up“ den internationalen Durchbruch geschafft.
Okay, andere haben es vorgemacht, die Retrowelle greift um sich: Fish, Roger Waters, Magnum, um nur drei zu nennen. Der große Erfolg gibt allen recht.

Jetzt also Saga. Ist dies der Abgesang auf eine große Band, nachdem Michael Sadler für Ende 2007 seinen Rückzug ankündigte? Oder steht Jim Gilmour schon in den Startlöchern, der auch auf diesem Album seine Live-Qualitäten als Sänger beweist? Saga waren live immer besser als im Studio – und gerade in Deutschland konnten sie auch in den 90ern noch punkten (während es im Rest der Welt, sogar im Heimatland Kanada, eher mau aussah). Ein kleiner Exkurs: Ich liebe das 95er Konzeptwerk „Generation 13“, das gar so untypisch für die Band ist. Hier würde ich mir eine Live-Umsetzung wünschen. Aber aus welchem Grund auch immer stehen die Jungs nicht so recht dazu...

Gerade der Südwesten Deutschlands wurde zum gelobten Land für Saga-Fans, da sich Sadler zeitweise im Saarland häuslich niedergelassen hatte und die Frequenz an Auftritten auch in kleineren Hallen deutlich zunahm. Aber jedes Konzert war und ist ein Erlebnis. Auf CD gepresst war die Atmosphäre kaum rüberzubringen, höchstens noch auf „In Transit“, das just auf der „Worlds Apart“-Tour aufgenommen wurde. Das Live-Album von 82 können wir jetzt also getrost im Regal lassen, da bis auf „A Brief Case“ wirklich jeder Song auch auf dem aktuellen Doppelwerk vertreten ist.

Ein Blitzlicht also ganz klar auf die Vergangenheit. Kleine Ausflüge in die Neuzeit sind erlaubt („The Runaway“ und „Keep It Real“), bleiben aber die Ausnahme. „Worlds Apart“ wird natürlich komplett am Stück gespielt, zu einem Zeitpunkt des Konzerts, als die Stimmung schon dem Höhepunkt entgegenstrebt. Die originale Reihenfolge bleibt erhalten, nur „Time’s Up“ verschiebt sich etwas nach hinten. Aus dramaturgischen Gründen? Oder wegen der CD-Länge?
Kein Klassiker darf fehlen. „You’re Not Alone“, „Humble Stance“ und „Don’t Be Late“ werden gekonnt im gewohnten Saga-Sound vorgetragen und textsicher vom Publikum mitgesungen. Große Veränderungen in Arrangement oder Instrumentierung sind Fehlanzeige. Aber das ist auch gut so. Das Album hat schon einen Schimmer von Werkschau und Rückbesinnung auf das, was man am besten kann. Ein wundervolles Dokument genau zum richtigen Zeitpunkt.

Also der Blick in die Zukunft: Wie geht’s weiter? Die Abschiedstour Sadlers endet am 05. Dezember in München. Ich werde mir wohl den 29.11. im benachbarten Merzig geben. Und dann? Gilmour hat gesangliche Qualitäten. Sein Soloalbum „Great Escape“ ist okay, reißt mich aber nicht vom Hocker. Dann schon eher die beiden Songs, die er hier mit Saga interpretiert: „No Regrets“ und „Scratching The Surface“. Letzteres wundervoll vorgetragen, nur zur Pianobegleitung. Das Potential ist da, aber Saga werden nicht mehr dieselben sein. Definitiv.

Die Doppel-Live-CD enthält den kompletten Konzertmitschnitt aus Pratteln (Schweiz) vom Dezember 2006. InsideOut lassen sich natürlich nicht lumpen und bringen das Ganze gleich noch als Doppel-DVD-Set und als Limited Edition mit 2 DVD und 2 CD im Schuber raus. DVD und Booklet liegen mir leider nicht vor. Darum mal rein informatorisch: das Booklet enthält die Texte aller 22 Songs und viele Fotos, die DVD reichlich Bonusmaterial wie Interviews, Dokumentationen, Live-Clips und die unvermeidliche Fotogalerie. Also greift zu – es gibt reichlich Stoff fürs Geld.

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