Accident Book

Savoy Grand bleiben die englischen Meister der Langsamkeit. ”Accident Book” heißt ihr neues, insgesamt viertes, Album: Neun Songs, die die Hektik der Großstadt hinter sich lassen und gediegen gen Himmel schweben ohne Gefahr zu laufen zu schnell zu verglühen. Savoy Grand are not dead. They are not in prison. They have not gone away. They are here. Diese vier kurzen Sätze stammen aus dem Waschzettel, der dem Rezensionsexemplar von “Accident Book“ beiliegt. „Zurück“ ist das neue „ich war nie weg“. Frontmann/Produzent Graham Langley und seinen drei Mitstreitern nimmt man das sogar ab. Ohne Fragen, ohne alles. Denn alles, was zählt, sind diese übergroßen Songklunker, die einem aus den Boxen entgegenkommen. Ganz langsam und über jeden Zweifel erhaben.
Der Vierer – bei den Aufnahmen war man als Band mitunter noch zu fünft, aber Multiinstrumentalist Neil Wells ist mittlerweile nicht mehr Teil von Savoy Grand und wird im Booklet auch nicht als solcher geführt – aus Nottingham schafft es auf “Accident Book“ die minimalistische Stille der Vorgänger beizubehalten und trotzdem eine neue Farbe ins eigene Werk zu tragen. Eine Note, ein Ton, ein Geräusch packt dich so intensiv, dass du erst so richtig merkst, wie sehr dir die Band in den letzten, meist ohne Savoy Grand ausgekommenen, Jahren gefehlt hat. Langley, Johnson, O’Riordan und Simpson kosten die Räume ihrer Songs voll aus und kreieren auf der Suche nach der dynamischsten Songlangsamkeit ein neues Kapitel.
Was die Artverwandtschaft anbelangt, bleibt mit “Accident Book“ alles beim Alten. Low, Codeine, Slint, Mark Hollis/TalkTalk, die UK-Kollegen Mogwai, Bill Callahan oder die Red House Painters, alles Namen, die einem als Ähnlichkeitsverweise in Bezug auf Savoy Grand einfallen. Spätestens mit “Accident Book“ sollte jetzt jeder begreifen, dass Savoy Grand in genau der Liga spielen, in der die Bands sind, mit denen man ihren Sound schon seit Jahren vergleicht. Ein tolles Album, irgendwo zwischen Tristesse, Heimweh und dem großen, langsamen Unbekannten. Es geht immer weiter, immer weiter, irgendwie.