Schiller

Atemlos (2 CD / DVD)

Veröffentlicht: 12.03.2010 / Island / Universal Music

Von: Andreas Weist

Schiller

Schiller, die sechste. In der musikalischen Bundesliga ist Christopher von Deylen schon längere Zeit aktiv – stürmten doch alle Studioalben die vorderen Chartplätze –, aber spätestens infolge des letzten Output "Sehnsucht" hat er mit sechs Grammy-Nominierungen endgültig den Sprung in die Champions League geschafft. Wen wundert’s, dass inzwischen die Künstler Schlange stehen, um eine Rolle als Gastvokalist, Instrumentalist oder Sprecher zu bekommen? Diesmal sind unter anderem Mia Bergström, Nadia Ali, Anna Maria Mühe, Jaki Liebezeit (von der Krautrock-Legende Can), Anggun, Newcomerin Lenka und der alte Hase Midge Ure mit dabei.

Für "Atemlos" hat von Deylen sich vor allem im ewigen Eis der Arktis inspirieren lasen. Vier Wochen lang begleitete er im vergangenen Sommer ein Team von Meeresforschern auf ihrem Schiff "Polarstern". Den Geist dieser Reise spürt man in den Klanggemälden, die der Künstler ein weiteres Mal geschaffen hat. "Danach sieht man unsere Erde mit ganz anderen Augen", sagt er selbst zu den gemachten Erfahrungen.

Natürlich ist aus den Erlebnissen wieder ein sehr atmosphärisches Album erwachsen. In den Instrumentalpassagen möglicherweise etwas zu routiniert und mit wenig neuen Ideen – aber auch der kreativste Kopf kann sich nicht ständig neu erfinden. Mir sagen (wie auch beim letzten Album) vor allem die Tracks mit weiblicher Gesangsstimme zu. Mia Bergström liefert zu "Playing With Madness" einen guten Job ab – und Nadia Alis "Try" hat sich zu Recht zum Ohrwurm mit Dauerberieselungsfaktor entwickelt. Lenkas Stimme wird leider auf "Addicted" durch akzentuierte Synthie-Passagen zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Das kann sie allerdings auf "Sunrise" (meinem Albumfavoriten) mehr als wett machen.

Jaki Liebezeit muss auf "Leidenschaft" und "Opium" für die Rhythmussektion zweier Songs im Schulze-Stil herhalten, ohne damit allerdings besondere Akzente setzen zu können. Auffälliger männlicher Mitstreiter ist vor allem Midge Ure, der seine charakteristischen Vocals auch in diesem neuen Metier hervorragend einzusetzen weiß. Alles in allem eine gelungene Mischung, mit der von Deylen ein weiteres vielseitiges Album zusammenstellt, das für jeden Fan genügend Reize zu bieten hat.

Die DVD wartet mit den symphonischen Elektronik-Tracks "Luft" und "Wasser" und zehn Songs des "Atemlos"-Albums im 5.1-Mix auf, allerdings nur im Audio-Format vor grellem Hintergrund. Visuelles Highlight sind die Aufnahmen der Arktis-Expedition mit anschließender Diashow. Die Zusammenarbeit mit Jaki Liebezeit wird schließlich in einer besonderen Doku gewürdigt.

Da von Deylen grundsätzlich keine halben Sachen macht, erscheint das Album wie gewohnt in den unterschiedlichsten Formaten. Mir liegt die wunderschön aufgemachte Hardcover-Version mit elegantem Schuber und 30seitigem Booklet vor. Eine Nummer kleiner will es ein Digipack, der dann allerdings CD 2 nicht enthält. Vinyl-Puristen freuen sich über eine Doppel-LP mit 19 Titeln und der dicke Geldbeutel entscheidet sich für die limitierte "Ultra Deluxe Edition" die neben der Hardcover-Version noch eine weitere Bonus-CD und (hört, hört!) einen handsignierten Leinwanddruck des Covers enthält. Das sprengt dann doch alle Rahmen, so dass ich euch guten Gewissens das hier rezensierte Package als Rundum-sorglos-Paket empfehlen kann.

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