Sheryl Crow

Detours

Veröffentlicht: 22.02.2008 / A&M / Universal

Von: Thomas Kröll

Sheryl Crow

Man lernt ja bekanntlich nie aus. Nachdem ich vergangenes Jahr den Foo Fighters-Longplayer "Echoes, Silence, Patience & Grace" nur im Mittelmaß eingestuft hatte und die CD schließlich dann doch zu einem meiner Alben des Jahres wurde, bin ich mit vorschnellen Urteilen (noch) vorsichtiger geworden. Insbesondere, da ich mit "Detours" (zu Deutsch "Umwege"), dem sechsten Studioalbum von Sheryl Crow, zu Anfang überhaupt nicht warm werden wollte. Also habe ich mir ihren vierzehn Songs langen Output um sicher zu gehen bis zum Erbrechen angehört, wobei selbige Wortspielerei wohlgemerkt kein Hinweis auf dessen musikalische Qualität sein soll. "Detours" im Player, "Detours" im Auto, "Detours" auf dem Portable... bei 53 Minuten Laufzeit kommen da schon einige Stunden zusammen.

Eines fällt sofort ins Auge: Die eher schlichte Aufmachung als Digipack mit einem Booklet, das lediglich die Texte und einige schicke Fotos enthält. Laut eigener Aussage ist "Detours" Sheryl Crows bisher persönlichstes Album. Kein Wunder, hatte sie in letzter Zeit doch so einiges wegzustecken. Erst die Trennung vom ehemaligen Tour de France-Seriensieger Lance Armstrong, dann eine Brustkrebserkrankung. Die intimen Momente sind dann auch tatsächlich die stärksten des Albums. Zugleich aber bewegt sich die aus Missouri stammende Sängerin mit ihren Songs auf universelles Terrain und sucht sich globale Probleme und Missstände als Themen.

Der Auftakt fällt mit "God Bless This Mess" wunderbar verheißungsvoll aus. Ein leises Akustikstück voller sprödem Charme, das wie eine alte Schallplattenaufnahme klingt. Grossartig! Dabei ist der Song ein deutliches Statement zum Irakkrieg als Ergebnis des 11. September: "The president spoke words of comfort with teardrops in his eyes/then, he led us as a nation into a war all based on lies". Ähnlich emotional fallen "Drunk With The Thought Of You" (man sieht förmlich Bilder einer sonnenüberfluteten Blumenwiese vor sich), "Make It Go Away" und besonders "Lullaby For Wyatt" aus. Letzterer bezieht sich auf Crows Adoption ihres Sohnes Wyatt Steven, dem sie auch gleich das komplette Album gewidmet hat.

Dazwischen glänzt sie immer wieder mit schönen, teils melancholischen Popsongs und weichen Melodien, die den Hörer umschmeicheln. Mal mit hymnischen Refrains ("Shine Over Babylon"), nuschelndem Gesang ("Detours") oder der Aufforderung zum engumschlungenen Paartanz ("Now That You`re Gone"). Ihre Texte bleiben dabei erfreulich scharfzüngig. "Peace Be Upon Us" ist ein Plädoyer für die Gleichheit aller Kulturen vor Gott (egal wie auch immer man ihn nennt). Ahmed Al Hirmi singt einen Teil des Stückes auf Arabisch. "Gasoline" (Guest Vocals hier von Ben Harper!) setzt sich mit der Rohstoffknappheit und ihren Folgen auseinander und erinnert im Intro ein wenig an "Mustang Sally" von Joe Cocker. Dass sie ihren Lebensmut nicht verloren hat, beweist Sheryl Crow endgültig im leicht folklastigen "Motivation". Gut so! Weiter so!

Leider gibt es aber auch einige Ausfälle zu beklagen. Das quietschige "Love Is Free" hätte besser auf dem letzten Avril Lavigne-Album Platz gefunden. "Love Is All There Is" ist ein einfach gestrickter Song fürs Radio-Airplay, der zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgeht ohne eine Spur zu hinterlassen. Ganz schlimm fällt jedoch "Out Of Our Heads" aus, das prima in die gerade abgelaufene Karnevalszeit gepasst hätte und bei dem in jedem Ton Frank Farian persönlich gefährlich nah um die Ecke lugt. Skippen!

All das soll den letztlich positiven Gesamteindruck allerdings keinesfalls schmälern. "Detours" ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden und von Bill Bottrell gewohnt perfekt produziert. Bottrell zeichnete ja bereits für Sheryl Crows Debüt "Tuesday Night Music Club" von 1993 verantwortlich. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten sind dafür 7 von 9 Punkten mehr als verdient. Ein insgesamt gelungenes Comeback nach vier Jahren Pause. Sheryl Crow ist in dieser Zeit hörbar gereift. Manchmal muss man eben ein paar Umwege gehen, um an sein Ziel zu gelangen.

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