Sieges Even

Paramount

Veröffentlicht: 21.09.2007 / InsideOut / SPV

Von: Andreas Weist

Sieges Even

Nach den Alben „Sophisticated“ und „Uneven“ und dem Ausstieg des zweiten Sängers Greg Keller war es ja zunächst mal ruhig um die Prog Metaller aus München geworden, bevor sie mit Arno Menses und „The Art Of Navigating By The Stars“ vor zwei Jahren ein furioses Comeback hinlegten. Zwischendurch gab es immerhin Gastspiele der Holzwarth-Brüder bei Blind Guardian und Rhapsody. Man blieb also im Gespräch. Die Rückkehr zum Progressive Rock von Sieges Even brachte auch die Vielseitigkeit zurück, die im 05er Album jene alte Stärke wieder in den Vordergrund stellte und 2007 nahtlos fortgesetzt wird.

Schon der Opener „When Alpha And Omega Collide“ zeigt, wohin der Hase läuft: ein atmosphärisches kurzes Intro, dann starkes Schlagwerk – bevor Menses dynamisch und mit enormem Stimmvolumen einsetzt. Auf jeden Fall mehr Prog als Metal, filigrane Gitarrenriffs, die erst im zweiten Teil an Härte zulegen. Ein furioser Opener, der in zweistimmige Vokalpassagen gipfelt, was dem Song den letzten Pep mitgibt. So kann es weitergehen. „Tidal“ folgt nahezu übergangslos und setzt das Konzept härter fort.

„Eyes Wide Open“ beginnt ruhig – eine wunderschöne Ballade, von Arno Menses zart eingesungen. Der hymnisch daher kommende Refrain schafft gerade noch die Gratwanderung zwischen Kitsch und genialer Rockballade. Ich entscheide mich mal für letzteres. Ähnlich ruhig geht es mit „Iconic“ und „Where Our Shadows Sleep“ weiter. Und es wird klar, dass es Sieges Even 2007 nicht um eine Anbiederung an die Metalfraktion geht, wie es in den 90ers zeitweise den Anschein hatte, sondern um die Kreation stimmungsvoller Soundgemälde.

Mit komplexen Arrangements geht es weiter. Eine harte Gitarrenlinie wird der Tenorstimme von Menses gegenübergestellt. Arno Menses ist eine echte Bereicherung für die Band und es wird offensichtlich, dass man mit diesem Sänger endgültig die Kurve gekriegt hat. „Bridge To The Divine“ beginnt wie ein Travis-Song mit schwungvollen Gitarren, dann setzen die Vocals leicht melancholisch ein und münden in einen Ohrwurm-Refrain. Nach den Worten der Band geht es um die unterschiedlichsten Träume der Menschen, einen Film, der im Kopf entsteht (wie auch im Titelsong „Paramount“ verdeutlicht). Mir liegen die Lyrics noch nicht vor, ich kann den Gedankengang hier aber nachvollziehen.

„Leftovers“ gibt der Härte und den Bassriffs wieder mehr Raum – in seiner Gesamtheit bleibt „Paramount“ jedoch ein sehr melodisches, zeitweise melancholisches Album. Besonders beeindruckt „Montain Castles In The Blood Red Sky“. Ein Song, der die berühmte Rede Martin Luther Kings anlässlich des „March On Washington For Jobs And Freedom“ 1963 vertont - die Rede, die in eines der berühmtesten Politik-Zitate der Weltgeschichte „I Have A Dream“ gipfelt. Ein reines Instrumentalstück, in dem die Samples der Rede mal nicht (wie schon so oft geschehen) als schmückendes Beiwerk dienen, sondern im Mittelpunkt des Songs stehen. So gelingt es Sieges Even, diesem besonderen Ereignis Rechnung zu tragen und ein Gänsehautfeeling zu erzeugen.

Der Titeltrack lässt ein eindrucksvolles Album enden und spielt erneut mit Sprachsamples, vielseitigen instrumentalen Versatzstücken und einem abschließend etwas überraschenden, aber nichtsdestotrotz genialen Saxophon-Solo. Sieges Even haben mit diesem Longplayer endgültig den Sprung zurück an die Spitze des deutsche Progmetal geschafft. Wir dürfen gespannt sein, was da noch kommen mag.

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