Sieges Even

Playgrounds

Veröffentlicht: 25.07.2008 / InsideOut / SPV

Von: Andreas Weist

Sieges Even

Es war schon sehr bedauerlich, dass der Auftritt von Sieges Even bei NIGHT OF THE PROG am Sonntag kurzfristig abgesagt werden musste. Der Gitarrist Markus Steffen litt unter einer schweren Entzündung im Spielarm und bekam nach einer akuten Verschlimmerung von den behandelnden Ärzten ein striktes Auftrittsverbot. Den Fans bleibt nur das Warten bis zu den Clubterminen im Herbst – oder als kleiner Trost die Live-CD „Playgrounds“ die am 25. Juli in den Läden steht.

Spätestens seit Erscheinen der Ausnahmealben „The Art Of Navigating By The Stars“ und des aktuellen „Paramount“ haben sich die Progressive Metaller aus München eine stetig wachsende Anhängerschaft erspielt. Nach der Zwangspause von 1997 bis 2004, in der die Holzwarth-Brüder bei Blind Guardian und Rhapsody aktiv waren, hat man mit Arno Menses am Gesang einen herausragenden Frontman gefunden, der die Band zu neue Höchstleistungen antreibt.

Die Setlist widmet sich nur dreien der insgesamt sieben Studioalben: Das 91er Werk „Sense Of Change“ ist mit den Titeln „The Waking Hours“ und „These Empty Places“ vertreten. Der Rest beinhaltet ausschließlich Songs der Schaffensperiode unter Arno Menses mit deutlichem Schwerpunkt auf dem letzten Output „Paramount“. Konzert-Opener ist der erste Song dieses Albums und zeigt, wohin der Hase läuft: atmosphärische, vertrackte Melodielinien und kraftvolle Vocals. Auf jeden Fall mehr Prog als Metal – so  kann es weitergehen. „Tidal“ folgt nahezu übergangslos und setzt das Konzept noch einen Tick energischer fort. Die mehrstimmigen Vokalpassagen funktionieren live mindestens so gut wie im Studio. Es geht halt nichts über vielseitige Mitmusiker.

„Unbreakable“ vom vorletzten Album kommt ruhiger daher und beinhaltet einige feine akustische Passagen, bevor es in den frickeligen Schlusspart geht. Menses zeigt sich überaus vielseitig, vor allem in Stimmvolumen und Tonumfang. Ein Ausnahmesänger. Die Klassiker vom 91er Album passen zum Glück auch gut zu seiner Stimme. Schade, dass man nicht mehr Songs aus dieser Schaffensphase gewählt hat. Überaus beeindruckend ist die Live-Umsetzung des schwierigen „Duende“, das von vertrackten Rhythmen durchzogen ist, und des stellenweise recht düsteren Titeltracks „Paramount“. Zwei weitere Songs des nach meiner Meinung bisher besten Outputs „The Art Of Navigating By The Stars“ beschließen das Konzert.

Die erste Live-CD der Süddeutschen war im 22. Jahr ihres Bestehens längst überfällig. Ich persönlich hätte mir zwar eine größere Bandbreite mit Songs aller sieben Alben gewünscht, doch es ist verständlich, dass man sich vor allem auf die aktuelle Phase beschränkt. Ohne Zweifel ist „Playgrounds“ das beeindruckende Livedokument einer deutschen Institution im Bereich Progressive Rock. Wenn es auf diesem hohen Niveau weitergeht, dürfen wir uns noch auf eine Reihe genialer Konzerte und guter Alben freuen.

 

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