Söhne Mannheims

Barrikaden von Eden

Veröffentlicht: 13.05.2011 / Söhne Mannheims / tonpool

Von: Andreas Weist

Söhne Mannheims

Für das vierte Studioalbum hat das Kollektiv aus Mannheim die Idee des kurzen Albumtitels aus immer gleichen Buchstaben hinter sich gelassen. Irgendwann sind die Kombinationsmöglichkeiten auch erschöpft. Jetzt darf es mit "Barrikaden von Eden" gar ein richtig langer Titel sein.

14 Bandmitglieder: vier Sänger, zwei Schlagzeuger, zwei Gitarristen, ein Bassist, zwei Rapper, ein DJ. zwei Keyboarder – und musikalisch gibt es kaum Veränderungen. Mit dem Titeltrack startet das Album düster mit elektronischen Klängen. Schon zu Beginn zeigt sich die Virtuosität der Mannheimer, wenn sich die verschiedenen Stimmen vielschichtig zu einem breiten Klanggerüst arrangieren und sich der Song bis hin zum stampfenden Rhythmus steigert.

Nach diesem gigantischen Beginn soll es im Anschluss erst einmal ruhiger weitergehen. Die Single "Ist es wahr (Aim High)" kommt als Ballade mit Piano und Streichern. Typisch für die Lyrics sind die politische Aussage und der wortgewaltige Angriff auf die herrschende Klasse. Da nehmen die Söhne wie immer kein Blatt vor den Mund.

Witzige Einsprengsel kommen auch nicht zu kurz. In kleinen Einspielern in Hörspiel-Manier stellen die Söhne sich als geheimnisumwobenes Gangsterkollektiv dar. Passend dazu gibt es den HipHop-Aufbruchssongs "Hier kommen die Söhne". Überhaupt scheint eine optimistische Aufbruchsstimmung zu herrschen. "Ich tue es... " und "Wir" beispielsweise verbreiten die Weltverbesserer-Ausstrahlung, die zwar vielen Menschen in den Songs von Xavier und den Söhnen auf die Nerven geht, die ihre Musik aber letztlich ausmacht. Auch die religiöse Komponente kommt nicht zu kurz, nimmt aber meines Erachtens nicht so viel Raum ein wie zuvor.

Insgesamt ist das Album sehr balladenlastig. Vor allem das Piano kommt oft zum Einsatz. In der Ballade "Freiheit", dem englischen "Lonely" und dem mit elektronischen Elementen vermischten "Ich lern was über dich". "Oben und unten" ist eine recht seichte Liebeserklärung und wartet mit viel Streicherschmalz auf. "Neustart" thematisiert in seinem an das Ticken einer Uhr erinnernden Rhythmuskonzept den Begriff der  Zeit und steigert sich vom reduzierten Sprechgesang zum hymnischen Song-Ende.

Härter wird es erst wieder in dem komplett englischen "Kill All Psychopaths" mit starken Gitarrenriffs und schnellen Rap-Passagen. Sofort wird das Tempo aber erneut zurück genommen und "Barrikaden von Eden" läuft mit einem melancholischen Einblick in die Gefühlswelt ("Wenn ich die Liebe nicht finde") und einem Lovesong an die Eltern ("Für dich") aus.

Trotz der vielen leisen Töne laufen die Söhne Mannheims mal wieder zur Bestform auf. Rap, HipHop und Reggae spielen eine wichtige Rolle – aber nicht in dem Ausmaß, wie das früher der Fall war. In den vielschichtigen Arrangements steht oft Xaviers Stimme im Mittelpunkt, aber er wird nicht zum Alleinunterhalter. Die Söhne funktionieren weiter als Kollektiv und der geneigte Fan bekommt alles geboten, was er sich von den Söhnen erhofft. Vielleicht ein paar radiotaugliche Mainstream-Songs mehr als sonst.

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