Söhne Mannheims

Wettsingen in Schwetzingen (MTV unplugged / 2 CD)

Veröffentlicht: 19.09.2008 / XN-Tertainment (tonpool Medien)

Von: Andreas Weist

Söhne Mannheims

Lange war es ruhig um Xavier Naidoo und seine Söhne Mannheims, doch jetzt melden sie sich spektakulär zurück – und das gleich im Doppelpack. Seit vielen Monaten lassen neue CDs von Xavier solo und der Mannheimer Truppe auf sich warten, aber es blieb (abgesehen von dem unermüdlichen Einsatz Xaviers als Gast bei diversen Projekten) unnatürlich ruhig. Das gemeinsame Konzert beider Seiten der Medaille in Schwetzingen ist schon spektakulär genug, da es das bisher noch nie gab – und auch MTV gehen mit diesem Doppelschlag ganz neue Wege und eröffnen nach Grönemeyer, den Fanta 4, den Ärzten und den Toten Hosen weiteren deutschen Künstlern den Weg zur unplugged-Bühne. Das Konzert wird am 18. September erstmals ausgestrahlt, am Tag darauf erscheint die Doppel-live-CD „Wettsingen in Schwetzingen“.

Damit sowohl Xaviers Solowerk als auch dem Output der Söhne genug Raum gegeben wird, erscheint das Konzert als Digipack mit zwei CDs. Die Aufmachung ist allererste Sahne: Digipack mit zwei Covern, integriertes Booklet mit Unmengen Fotos und Hintergrundinfos und ein stabiler Schuber dazu. Aufgezeichnet wurde im wunderschönen Ambiente des Rokoko-Theaters im Schwetzinger Schloss.

Den Anfang macht Xavier mit Band und einer Vielzahl von Gästen. „20.000 Meilen“ und „Abschied nehmen“ zeigen, wohin die Reise geht. Sanfte Gitarrenklänge, eine leise aber sehr vielseitige Rhythmusfraktion. Xavier begeistert von Anfang an. Auch die neuen Songs „Für dich öffnen sie die Tore“ (mit Flügel und Orgel in großer Besetzung vorgetragen und von Tino Oac, Daniel Stoyanov, Azad sowie Cronite mehrstimmig unterstützt) und „Wann“ im Duett mit Cassandra Steen können absolut überzeugen. Erster Höhepunkt ist aber die Kollaboration mit Andreas Vollenweider an der Harfe, bei der „Wo willst du hin“ völlig reduziert auf Harfenklänge und Xaviers Stimme interpretiert wird. Da ist die Gänsehaut im Saal förmlich greifbar. Annette Marquard und Yvonne Betz leisten gute Arbeit im Background, die vor allem mit „Was wir alleine nicht schaffen“ und „Seine Strassen“ ihre Höhepunkte erlebt. Der Song „Woman In Chains“ aus Xaviers Anfangstagen wird als Schmankerl im Duett mit Yvonne vorgetragen. Das nur von Matthias Leber am Piano begleitete „Sag es laut“ beendet eine einfühlsame erste Konzerthälfte, die es in sich hat. Xavier ist spürbar in Bestform.

Die 14 Söhne Mannheims nehmen natürlich (rein körperlich) mehr Raum ein, starten aber trotz des Megatitels „Babylon System“ genauso verhalten wie Xavier solo und lassen die neuen Arrangements auf das Publikum einwirken. Rhythmusinstrumente wie ein intensiv genutztes Cajon und sanft angeschlagene Gitarren sowie ein Cello beherrschen die Szene. Dann dürfen direkt drei neue Songs ran: „Lieder drüber singen“ schlägt zu Beginn in die balladeske Kerbe, entwickelt sich dann jedoch zu einem rhythmisch anspruchsvollen Stück mit Rap-Elementen und hintergründigem Text. Die Steigerung im Dialog zwischen Xaviers zarter Melodielinie und lautem Sprechgesang macht den Song zu einem echten Live-Kracher. „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ ist eine sanfte Ballade mit viel Piano und könnte in der Form auch von Xavier solo stammen. Im Wechselgesang mit Michael Klimas, Tino Oac, Henning Wehland und Marlon B. entfaltet sich aber die atmosphärische Wirkung, die das Söhne-Projekt seit je her zu etwas so Besonderem macht.

Beeindruckend finde ich auch den Coversong „Ich wollte wie Orpheus singen“. Man kommt zwar nicht an die atmosphärische Version des Originalinterpreten Reinhard Mey ran, der Satzgesang der Söhne hat aber auch seine Qualitäten. Und es ist bemerkenswert, dass dieser geniale Song eines oft belächelten deutschen Liedermachers von den Söhnen auf dem Weg gewürdigt wird. „Geh davon aus“ kommt sehr funky daher und „Was wird mich erwarten“ erfährt eine neue jazzige Richtung, die das Publikum begeistert aufnimmt. Mit „Vielleicht“ und „Und wenn ein Lied“ sind zudem zwei Klassiker vertreten, die seit jeher in den abgespeckten Versionen ihre stärkste Wirkung entfaltet haben.

Für beide Seiten ist viel Schönes dabei, wobei die Übergänge durch die neuen Arrangements recht fließend sind. Die Anhänger der Mannheimer Musikszene werden voll auf ihre Kosten kommen. Was dies vielleicht noch toppen kann, mag die DVD sein, die im Oktober erscheinen wird. Wie sagt man so schön? Das Auge hört mit. Und die beleuchtete Innenkulisse des Schlosses im Zusammenwirken mit der publikumsnahen und außergewöhnlich instrumentierten Performance wirkt zumindest auf den Fotos sehr beeindruckend. Fürs Erste darf sich aber jeder an den 25 Songs verteilt auf zwei Silberlinge erfreuen, die einen eindrucksvollen Querschnitt durch das Werk der Ausnahmekünstler zu bieten haben und auch einen Blick in die Zukunft erlauben.

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