Amsterdam Showdown, King Street Throwdown

Die letzte Zusammenarbeit von Jon Spencer (Pussy Galore, Blues Explosion etc.) mit seiner Frau Cristina Martinez als Boss Hog ist auch schon wieder zehn Jahre her. Angeregt durch die Niederländerin Elisabeth Esselink, genannt Solex, trafen sich die drei im Aftrap Studio, King Street Amsterdam, das dem Album auch seinen Namen gab. Cristina Martinez und Jon Spencer spielten nahezu alle Instrumente ein und erledigten den Gesang, Solex packte das Ganze in den Rechner und bastelte einige Samples und Beats dazu, ohne den bewährten Stil von Jon Spencer zu zerstören. Wie auch, ist doch die Dekonstruktion das Fachgebiet des letzten Bluesers und Rock´n´Rollers der Neuzeit.
Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum Jon Spencers, bringt das Trio nun ein Album heraus, das sich einreiht in die Veröffentlichungen der Jon Spencer Blues Explosion wie "Orange", "Now I Got Worry", oder "ACME". Neues sucht man auf "Amsterdam Showdown, King Street Showdown" vergeblich und auch der Einsatz von Solex vermag es nicht, die Präsenz Jon Spencers ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Doch das ist gut so, denn dieses Album hat alles, was den Mastermind in seiner Karriere zum Helden des Underground hat werden lassen.
Jon Spencer zerlegt Blues und den Rock in seine Bestandteile, reduziert sie aufs Wesentliche und holt sie mit "aktuellen" Beats in die Gegenwart. Schon 1995 gab es einen ähnlichen Versuch, als Musiker wie Beck, U.N.K.L.E, Killah Priest, Dub Narcotic und Moby auf "Experimental Remixes" Songs der Blues Explosion ein neues Gewand verliehen, ebenso wie diesmal, ohne das Spezielle von Jon Spencer zu verdecken.
Trotz aller Dekonstruktion schaffen es Solex, Cristina Martinez und Jon Spencer immer wieder, die aufgebaute Spannung in absolut catchy Refrains aufzulösen, wie z.B. in "R Is For Ring-A-Ding" oder "Bon Bon" und durchaus auch zum Tanzen zu animieren.
Dummerweise wird auch dieses Album es kaum in die Top 100 irgendwelcher Charts schaffen. Umso erfreulicher, dass dies kein Argument für die Musiker ist, ihrem Stil untreu zu werden.
Gerade noch war Jon Spencer in anderer Besetzung in deutschen Clubs zu Gast, doch schon im Mai kommt er für einige wenige Konzerte zurück. Zudem ist er auf Tour als Support von Pavement.