Antologie

Die norwegische Jazzsängerin Solveig Slettahjell hat sich mit ihrer Band Slow Motion Quintett in den letzten Jahren in der internationalen Szene einen Namen gemacht, war davor aber auch schon in vielen anderen Formationen aktiv. Ihre ersten musikalischen Erfahrungen machte sie am heimischen Klavier, wo sie sich selbst zu ihren aktuellen Lieblingsliedern begleitete. Genau in dieser Konstellation hat sie nun gemeinsam mit dem Pianisten Morten Qvenild ihr aktuelles Album "Antologie" aufgenommen.
Der Albumtitel ist Programm: Es handelt sich um eine - laut Solveig ziemlich eklektische –Songauswahl quer durch die Popgeschichte, von Klassikern wie "Wild Horses" von den Rolling Stones bis zu relativ aktuellen, aber eher unbekannten Titeln wie "Peeling Off The Layers". Und diese Songs werden genauso pur und ungeschminkt interpretiert, wie die Künstlerin selbst sich auf dem Cover präsentiert.
Das funktioniert besonders gut mit den Titeln, die ohnehin schon ruhig und sparsam arrangiert sind, etwa bei Radioheads "There There", "Fly" von Nick Drake oder Tom Waits "Take It With Me", wo sich Solveigs warme Stimme wunderbar mit dem fließenden Piano verwebt. Irgendwie geht es immer noch einen Tick melancholischer und schwermütiger als im Original, sogar bei Annie Lennox "Saddest Song I´ve Got".
Interessanter wird es allerdings mit zunehmendem Kontrast zum Original, etwa mit der unglaublich verletzlichen Version des Abba-Hits "The Winner Takes It All", oder dem eindringlichen "True Colours". Auch Gnarls Barkleys "Crazy" überzeugt in der reduzierten Version, wobei hier die Pianobegleitung durch Percussion und Syntheziser ergänzt wird, wie auch in einigen anderen Stücken.
Manchmal geht der Jazzpianist mit Morten Qvenild durch und es gibt ausschweifende Solo-Einlagen. Abgesehen davon kann man sich "Antologie" aber sehr gut auch als Nicht-Jazz-Fan anhören, wenn man ruhige Musik mag und neugierig auf bekannte Songs im neuen Gewand ist.