Let It Sway

Someone Still Loves You Boris Yeltsin sind zurück! "Back In The Saddle" – sicher sitzen sie und strotzen nur so voller Selbstbewusstsein. Nach dem fabelhaften "Pershing" aus dem Jahre 2008 legen die vier Herren aus Springfield, Missouri jetzt mit "Let It Sway" nach. Was Weezer eigentlich nie so richtig schafften, schütteln SSLYBY einfach so aus dem Ärmel. Schon auf "Pershing" war man überwältigt von der Masse an Hooklines und eingängigen Melodie- und Bassparts, die im Gehör sich festsetzten. "Let It Sway" setzt noch eine Schippe drauf.
Der kostenlose Vorabdownload, und gleichzeitig erste Singleauskopplung, "Sink/Let It Sway" machte schon klar, worauf man sich freuen konnte. Das Album enttäuscht keineswegs, wenn man die Klänge des seichten Poprocks und die zierlichen Melodien ins Herz geschlossen hat. Dabei liegen die Songs so nah zwischen Träumerei und Tanzbeinschwung, wie selten bei einer Band. "Buddy Holly" gleich zwölf Mal. Der Opener "Back In The Saddle" lässt dem Hörer keinen Zweifel spüren an der Überzeugung der Band von sich selber. "Bended (By The Man)" hat wieder diese eine schon typische SSLYBY Hookline, die zum Mitwippen und Mitsingen animiert. Wurlitzer, Banjo, Mandoline und Synthesizer verdeutlichen im Hintergrund die Komplexität des doch so einfach klingenden Sounds. Alles ergibt irgendwie einen Sinn, wenn man den Namen des Produzenten sieht, der da seine Finger im Spiel hat. Chris Walla, seines Zeichens Gitarrist und neben Ben Gibbard, Mastermind von Death Cab For Cutie, saß nicht nur an den Reglern, sondern musizierte hier und da auch artig mit. Beau Sorenson (Death Cab For Cutie, Sparklehorse) unterstützte Walla. Mit der Band, eine Kombination, die sich gefunden zu haben scheint. Die Leichtigkeit von "Let It Sway" ist in jeder Note zu spüren und zu hören. "My Terrible Personality" gibt da ein ganz gutes Beispiel. Der Wechsel vom schnellen Spiel zum langsamen, von leise nach laut – perfekte Übergänge. Bei "Stuart Gets Lost Dans Le Metro" erkennt man eine ganz andere Ästhetik und man meint sogar ein wenig Death Cab For Cutie rauszuhören. Doch fürs Songwriting waren ausschließlich SSLYBY verantwortlich. "All Hail Dracula!" erinnert an Popular-Zeiten von Nada Surf. Vielleicht war ja doch die Magie des Aufnahmestudios Schuld. Nirvanas "Nevermind" oder "Gish" von den Smashing Pumpkins wurden in den Smart Studios in Madison, Wisconsin aufgenommen. "Critical Drain" scheint sich im Gehörgang zu verlaufen und nicht wieder rauszuwollen. Das etwas schwerere und nicht ganz so unbekümmerte "Phantomwise" erinnert an alte Broom-Zeiten. "Made To Last" scheint genauso für den Closer geschaffen worden zu sein, wie "Back In The Saddle" für den Opener. Ein Jammer eigentlich, dass es die drei Songs "Bended", "Cardinal Rules" und "Tanks Jam" nur als Bonus Tracks im digitalen Downlaod gibt. Denn grade "Cardinal Rules" ist ein echter Partysong.
"Let It Sway" ist schlichtweg das Album des Spätsommers. Mehr als nur eine runde Sache. Mit seinem Orangebraun angehauchtem Cover passt es auch farblich ganz hervorragend zur kommenden Jahreszeit. Aber das nur nebenbei. Hier darf man als Indie/Alternative/Rock-Fan, der seines Zeichens früher Weezer, Nada Surf und Konsorten geliebt hat einfach nicht vorbeischlendern. Es tanzt und berührt das Herz zugleich. Zum Anhimmeln! SSLYBY sind im Oktober für einige Shows in Deutschland unterwegs. Ohren und Augen also auf.