Spoon

Transference

Veröffentlicht: 22.01.2010 / ANTI / Indigo

Von: Sascha Knapek

Spoon

Kritikerlieblinge wandern mitunter auf einem ziemlich schmalen Grat. Auf der einen Seite droht eine brotlose, elitäre Auseinandersetzung mit dem Werk der jeweiligen Band und auf der anderen Seite wartet bereits die zuweilen unfundierte, völlig willkürliche und mitunter absolut sinnentleerte Hype-Maschinerie. Dicke Worthülsen zu umschiffen, trotzdem relevant zu sein, sich nicht im Kreis zu drehen und genügend Anhänger anzuziehen, um sorgenfrei leben und musizieren zu können, das ist der Traum vieler Bands. Wenn die Texaner von Spoon dabei auf Deutschland angewiesen wären, und nicht ihren US-Durchbruch im Rücken hätten, wäre die Lage bei der Band aus Austin sicher nicht sonderlich ruhig und entspannt. "Ga Ga Ga Ga Ga" war vor knapp drei Jahren ihr endgültiger Durchbruch – nur eben nicht bei uns.

Mitte der 90er fingen Spoon beim Vorzeige-Indie Matador an. "Telephono" war ein erstklassiges Debüt, das merkten auch schnell die Majors. Bereits zwei Jahre später erschien "A Series Of Sneaks" bei Elektra – es sollte der bis dato einzige Major-Ausflug von Spoon bleiben, danach ging es direkt zu Mac McCaughan und Merge. Hier waren die nerdigen Pop-Hits der Mannen um Hauptsongwriter Britt Daniel auch weitaus besser aufgehoben. Zehn Jahre ist man in den Staaten jetzt beim Label des Superchunk-Kopfs, auch das siebte Studioalbum ("Transference") des Quartetts aus der SXSW-Stadt erscheint in Übersee auf Merge. In Deutschland hat sich ANTI dem notorischen Kritikerliebling angenommen. Ein Glücksgriff, den allerdings leider wieder zu wenige Menschen wahrnehmen werden.

Dass "Ga Ga Ga Ga Ga" nicht getoppt werden kann, wissen auch Spoon. Vielleicht versucht man es deshalb auch gar nicht erst und liefert mit "Transference" ein herrlich schräges, unverkrampftes und zügelloses Indie-Manifest ab. Was genau „der nächste Schritt" ist, definiert immer noch die Band und nicht eine vorgefertigte PR-Maschinerie oder langsilbige Kritikererwartungen. Zumindest ist das im Idealfall so – und Spoon sind der Idealfall. Britt Daniel singt im vorletzten Song etwas von I got nuffin (aka nothing, d. Red.) to lose – das hat niemand, der "Transference" eine Chance gibt. Gerne auch einfach mal blind und auf Risiko. Denn mit Spoon kann man nur gewinnen.

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