Sport

Aus der Asche, aus dem Staub

Veröffentlicht: 27.01.2012 / Strange Ways / Indigo

Von: Jonas Bielenberg

Sport

Mit deutschsprachigen Musikern ist das ja immer so eine Sache. Man kommt bei der Rezension nicht drum herum, sich auf Texte zu beziehen, diese zu beschreiben und eine Position einzunehmen. Diese Position richtet sich nach eigenen Vorlieben, dem Umgang und der Auffassung von Metaphern, der Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, der Aussprache, Betonung, Einbettung in die musikalische Begleitung, Präsenz, Themenwahl und vieles mehr. Viele Kriterien, die über Aufstieg und Fall bestimmen können – und das alles wegen einer Stimme. Sport ist eine dieser Bands, die es einem in dieser Beziehung besonders schwer machen – aber dazu später.

Vier Musiker, 15 Jahre, vier Studioalben, keine bedeutende Rolle in der deutschen Popmusik. Klingt vorerst ein wenig unspektakulär, ist es vielleicht auch. Sport sind in ihren 15 Jahren nie besonders aufgefallen. Keine großen Auszeichnungen, keine bedeutenden Fernsehauftritte, keine breite Internetpräsenz. Wer die Band sucht, trifft auf die offizielle Homepage, die außer dem Vermerk auf das neue Album und einem kleinen Button, der auf die Facebook-Seite weiterleitet, nichts beinhaltet, und die offizielle Myspace-Seite, die ebenfalls nicht wirklich Informationen über die Band hergibt. Aber Sport existieren und das mit Daseinsberechtigung. Wuchtige Gitarren preschen, begleitet von hämmernden Drums, unterstützt von knurrigem Bass, durch wilde Songs. Oder im nächsten Song schlängeln sich die Töne durch einen Wald aus Beiläufigkeit, alles mit einer Wahnsinns-Atmosphäre, die verzaubert. Eine Band, die man ernst nehmen kann, und wenn mal nicht, dann merkt man dies aber auch gar nicht.

Nun 15 Jahre nach der Entstehung, mittlerweile zu viert, hat sich etwas geändert. Es soll vielseitiger geworden sein, es sei dynamisch schreibt das Label. Stimmt alles, die ruhigen Songs bestechen mit weichen Sounds, lang ausklingenden Gitarren, einem leicht angezerrten Bass, einem entspannten Schlagzeug, die lauten Songs umso wilder, wuchtiger, nicht immer so wie in "Gehirnerschütterung", den man auf dem Album "Unter den Wolken" findet, aber wirklich kraftvoll, mit dem nötigen Groove, den richtigen Kniffen.

Nun aber zum anfangs erwähnten Gesang. Dieser zeichnet sich stellenweise durch vielseitige Melodien aus, die die Songs gut vervollständigen und ergänzen. Leider sind die Texte nicht aussagekräftig, Felix Müller singt um den heißen Brei herum, nutzt wenige Reime, trifft seine Aussage nicht auf den Punkt und erinnert an Popmusik, die sich mit den instrumentalen Songs beißt. Er macht die Songs beiläufig, bedeutungslos. Stellenweise erinnern seine Texte an Roger Cicero, den Popmusiker, der, so wenig ich seine Musik auch mag, wenigstens eine klare Linie fährt. Teilweise ärgert man sich über die Belanglosigkeit, die Müller besingt, nicht immer natürlich, aber erschreckend oft, wünscht man sich den Text weg, hätte lieber ein Gesumme, anstelle der Texte (Beispiel: "Wir sind wohl doch, leider immer noch so dumm wie die Dinos, die Erde wird uns schon überstehen").

Highlights sind auf diesem Album definitiv alle Instrumentalparts, die Vielseitigkeit und der Ideenreichtum in den Songs. "Aus der Asche, aus dem Staub" ist in vielerlei Hinsicht ein gutes Album mit einem schönen ausgewogenen Sound und tollen Songideen. Leider steht ihm oft der zu belanglose und zu sehr hervorgehobene Gesang im Weg und regt den Zuhörer nicht gerade selten zum Weiterskippen an.

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