State Radio

Year Of The Crow

Veröffentlicht: 01.02.2008 / Ruff Shod /Nettwerk /Soulfood Distr.

Von: Sascha Knapek

State Radio

2007 führte “In Rainbows” von Radiohead diverse Jahrescharts an. Bestimmt nicht ganz unschuldig an der hervorgehobenen Stellung des Albums war sicherlich die unkonventionelle und von Majorlabeln losgesagte Veröffentlichungspolitik. Geht man bei den Verkaufszahlen und dem Bekanntheitsgrad zwei, drei Schritte zurück, fanden sich im vergangenen Jahr diverse andere Musiker, die interessante Wege aufzeigten, wie die Musikdistribution der Zukunft aussehen könnte. Kein Frischling was solche Ideen angeht ist Chad Urmston. Seit fast 15 Jahren geht es ihm und seinen jeweiligen Mitstreitern (zuerst bei Dispatch und seit 2002 mit State Radio) darum Veröffentlichungswege jenseits der Mainstreammaschinerie zu finden. Seit etlichen Jahren macht man aus der Not eine Tugend und veröffentlicht Alben in Eigenregie und, im Fall von State Radio, der Zusammenarbeit mit Nettwerk.

So erklärt es sich auch, dass die Veröffentlichungsgeschichte des zweiten kompletten State Radio Albums, „Year Of The Crow“, eine etwas andere ist. Bereits vor Beginn der „regulären“ Veröffentlichung (weltweit für Anfang Februar 2008 anberaumt) konnte man sich seit September die Platte im State Radio Onlineshop bestellen oder auf Konzerten des Trios erwerben. Im Vorfeld rührte man damals heftig die Werbetrommel. Neben kleinen Promovideos in denen die Aufnahmesessions in England ansehnlich aufbereitet wurden, stellte die Band wöchentlich eine ihrer bisher erschienenen CDs online. Kostenlos konnten sich somit auch deutsche Fans z.B. ein Bild von der nur noch selten zu findenden „Simmer Kane“-EP oder der Debüt-EP „Flag Of The Shiners“ machen. Auf diese äußerst fanfreundliche Aktion und die Reaktion des Vertriebs (denn eine herkömmliche Plattenfirma hat State Radio wie gesagt nicht) angesprochen, antwortete mir Bassist Chuck Fay: „Unsere Situation ist ziemlich einzigartig. Ich bin mir zwar relativ sicher, dass unser Vertrieb nicht gerade glücklich über die Aktion war, aber die haben glaube ich andere Probleme um die sie sich kümmern müssen als uns. Egal auf welche Art und Weise, wir lieben es unsere Musik unter die Leute zu bringen. Die kostenlosen Downloads waren einfach eine super Gelegenheit um die alten Sachen für unsere Fans zugänglich zu machen.“

Aber nun zum Album. „Year Of The Crow“ wartet im Großen und Ganzen mit weniger Schnickschnack als der Vorgänger „Us Against The Crown“ auf. Über die Länge der dreizehn Songs beschränken sich Urmston, Mike Najarian (Drums) und Chuck Fay auf das Wesentliche. Gitarre, Schlagzeug, Bass und rocken! Extra wegen Produzent Tchad Blake (u.a. Pearl Jam, Tom Waits) verschlug es State Radio für die „Crow”-Sessions ins beschauliche englische Hinterland. Der Ausflug hat sich definitiv gelohnt, denn Blake bringt bei „Year Of The Crow“ das zum Punkt was beim Erstling an manchen Stellen noch etwas verspielt und deplaziert wirkte. „Guantanamo“ macht als sprichwörtlicher Urschrei den Anfang und gibt die Gangart des gesamten Albums vor. Ohne unnötige Schnörkel geht es geradeaus, sowohl musikalisch als auch textlich.

Rock, Reggae, Ska, Folk und eine starke Brise Punk stellen auch beim zweiten State Radio Longplayer wieder die herausstechenden Zutaten dar. Ein stimmiger Stilmix der so gut wie nie Langeweile aufkommen lässt. Reggae und Ska treten im Vergleich zum Vorgänger „Us Against The Crown“ zwar deutlich in den Hintergrund, Nummern wie „Fight No More“, „Unfortunates“ (ein Song der den „West Memphis 3“ gewidmet ist) oder das partytaugliche „Barn Storming“ sind aber durchaus in der Tradition von „Gunship Politico“ oder „Right Me Up“ zu sehen. Was bei „Year Of The Crow“ allerdings in den Vordergrund tritt, ist der Anteil an Headbangrock. Ob die erste Single „Wicker Plane“, das epische „Rash Of Robberies“ oder „Gang Of Thieves“ – der Song mit dem größten Alternative Charts-Potential der gesamten Platte – harte Rocker gibt’s beim State Radio Zweitling an allen Ecken und Enden. Gepaart mit durchweg intelligenten und politischen Lyrics entsteht ein Rockbrett voller Wut und dem Appell an gesunden, positiven Menschenverstand (If I had but one wish on which to stand / I'd see the weapons all leave Sudan / And I'd see the gunners wash their empty hands down by the riverside. Aus: „Sudan“)

Neben all den harten Tönen vergisst Songschreiber Chad Urmston auf „Year Of The Crow“ jedoch (zum Glück) auch seine Akustikgitarre nicht. „The Story Of Benjamin Darling Part 1“ ist mit seinen zurückgenommenen Singer/Songwriter-Elementen und der besonderen Erzählstruktur für mich das Highlight des gesamten Albums. Ein Album das mit dem an die „Sgt. Pepper“-Ära der Beatles erinnernden „Fall Of The American Empire“ zu Ende geht und dem es gelingt alle Stärken des Bostoner Trios ins rechte Licht zu rücken. Keep On Rockin’ In The Free World!

Im März steht der vierte und bislang ausführlichste Deutschlandbesuch des US-amerikanischen Triumvirats an. Wer sich von den herausragenden Livequalitäten der Band überzeugen möchte, hier die Daten:

18. März - Köln (Underground)
19. März - Frankfurt (Cooky's)
20. März - München (59 to 1)
21. März - Dresden (Star Club)
22. März - Hamburg (Logo)
25. März - Fulda (Kulturkeller)
26. März - Bielefeld (Forum)
27. März - Essen (Zeche Carl)
28. März - Lingen (Alter Schlachthof)
29. März - Heidelberg (Karlstorbahnhof)
30. März - Wien (Chelsea) –Österreich–

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