Keep Calm And Carry On

Die Waliser sorgten mit ihrem 2007er-Release "Pull The Pin" nicht gerade für Begeisterungsstürme. Vielleicht war das der Grund dafür, dass das siebte Studioalbum vollkommen anders klingen sollte als seine Vorgänger. Die Trendwende ist auf jeden Fall gelungen, wenn die Stereophonics auch noch immer wie die Stereophonics klingen. Allerdings ist "Keep Calm And Carry On" (genau, der Titel sagt es schon) um einiges ruhiger gehalten als die Masse des Backkatalogs. Das wird diejenigen erfreuen, die auf eingängige Melodien und eine atmosphärische Herangehensweise stehen, und den Fans der frischen, alternativen Linie Kopfschütteln bereiten.
Das Greatest-Hits-Album "A Decade In The Sun" hat beachtliche 750.000 Silberlinge verkauft. Wohl genau der richtige Zeitpunkt, um einen kleinen Einschnitt zu wagen. In Großbritannien erschien der Nachfolger bereits im November 2009 und fuhr ganz ordentliche Kritiken ein. Bei uns ist es nun mit drei Monaten Verspätung soweit. Kelly Jones stellte klar: "Mein Ziel war es, ein Album aufzunehmen, das sich wie ein Debüt anfühlt." Das kann natürlich nur gegenüber Konsumenten gelingen, denen der Bandname nichts sagt. Und das werden von Jahr zu Jahr weniger. Allerdings gibt die minimalitische Ausrichtung dem Album einen Sound, der es ganz für sich allein stehen lässt und zum idealen Einstieg für Neuentdecker macht.
12 Songs – 12 spannend erzählte Geschichten. "She’s Alright" gibt einen entspannten, rhythmisch mitreißenden Start. Die erste Single-Auskopplung "Innocent" leitet in poppige Radio-Gefilde über. Eingängig und mit Gute-Laune-Charakter. "Beerbottle" hingegen holt den Schwung gleich wieder raus und bietet gewöhnungsbedürftige Electrobeats auf. Das politisch angehauchte "Trouble", das die Finanzkrise zum Thema hat, kommt mit starken Uptempo-Riffs daher und lässt sich durch die feine Akustik-Ballade "Could You Be The One?" ausbremsen. Ein Song, mit welchem Kelly seine stimmliche Stärke voll ausleben kann und zudem ein Liebeslied schafft, das an keiner Stelle peinlich klingt.
"I Got Your Number" und "Live ‘N’ Love" sind astreine Rocknummern – ersterer ganz nostalgisch angehaucht, letzterer im frühen Stil der Band. So kommen auch Fans der ersten Stunde auf ihre Kosten. "Wonder" drückt nochmal mit Bass-Groove und viel Schlagwerk aufs Gaspedal, während es mit "Show Me How" zum Abschluss sehr heimelig wird. Damit dann auch gleich mein Fazit: Die entspannten Stereophonics sind keineswegs Langweiler, sondern legen ein durchaus facettenreiches Album vor. Innovativ, reif und ausdrucksstark. Ruhe bewahren – weitermachen!
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