Crossing Dragon Bridge

Der Titel von Steve Wynns achtem Soloalbum deutet bereits darauf hin, die berühmte Drachenbrücke (Zmajski most) in Ljubljana hat einiges mit dem neuen Werk des 48-jährigen zu tun (er musste sie auf dem Weg zum Aufnahmestudio nämlich jeden Morgen überqueren). Dort hat Wynn im September 2007 die sich auf “Crossing Dragon Bridge“ befindlichen Songs, 13 an der Zahl, unter der Regie von Walkabout Chris Eckman (u.a. noch Dirtmusic, Chris & Carla) aufgenommen und zu einem Gesamtpaket geschnürt, das so nur in der slowenischen Hauptstadt hat entstehen können.
Mit “Crossing Dragon Bridge“ schrieb der in vielen Projekten aktive Amerikaner (u.a. Danny & Dusty oder The Miracle 3) einen für seine Verhältnisse ungewöhnlichen Longplayer. Eingebettet in die “Slovenian Rhapsody“ (Teil I. und II.) tummeln sich auf Wynn’s neuer Platte elf Tracks die von der subtilen Suche nach großen Melodien geprägt sind. Das durchorchestrierte “Bring The Magic“ (als Co-Autor fungierte hier Chris Cacavas) oder das beschwingte “Annie & Me“ sind zwei herausragende Beispiele für diese neue Prämisse – eine Prämisse die auch nicht vor Drum Programming und Ambient Sounds zurückschreckt. “Manhatten Fault Line“, ein Stück das einen starken Bezug zu Wynn’s Heimatpunkten herstellt, kommt mit nicht gerade geringem Ohrwurmpotential daher und findet in “When We Talk About Forever“ und dem Akustikrocker “God Doesn’t Like It“ würdige Ergänzungen. Verträumt geht es beim sanften “Punching Holes In The Sky“ zu, “Believe In Yourself“ ist Akustikpop in Reinkultur – wunderschön und introspektiv – und “I Don’t Deserve This“ (Co-Autor ist hier der Schweizer Polar) kommt einem epischen Wüstenritt am nahesten und präsentiert zum Ende des Albums die etwas vernachlässigte E-Gitarre. Die auf dieser Platte dargestellte Seite des Amerikaners mag anders sein im Vergleich zu früheren Alben des ehemaligen Westküstlers, Facettenreichtum ist trotzdem eine ihrer Stärken.
Wynn wagt auf “Crossing Dragon Bridge“ den Schritt weg vom hartem Rock, hin zu geerdeten Popmelodien. Die von Chris Eckman breit gestreuten Elektrountermalungen sind nicht – wie man vielleicht zuerst denken mag – unnötiger Kitsch, sie fungieren für das ehemalige Dream Syndicate-Mitglied Steve Wynn vielmehr als eine Art deutliche Unterstreichung seines erlebnisbasierten Songwritings. Eckman und Mischer Tucker Martine (u.a. The Decemberists, The Walkabouts) haben es wunderbar verstanden die 13 Songs im rechten – wenn zuweilen auch ungewohnten – Licht zu verorten. Ljubljana ist für Wynn eine besondere Stadt, dass merkt man seiner neuen Platte durchweg an – beide bedingen einander und beide sind reich an beeindruckenden Sehenswürdigkeiten. Ljubljana liegt weit weg von Steve Wynn’s eigentlicher Heimat und gerade dadurch entsteht von Zeit zu Zeit ein roter Faden, der auch als einprägsamer Denkanstoss auf vielen amerikanischen Außenspiegeln prangt: Objects in the rearview-mirror may appear closer than they are.