Sushifarm

Eat It Raw

Veröffentlicht: 26.01.2007 / Megapress / Soulfood

Von: Thomas Kröll

Sushifarm

Bevor mir „Eat It Raw“ in den heimischen Postkasten flatterte, sagte mir der Name Sushifarm zugegebenermaßen so gut wie garnichts. Natürlich hatte ich das gleichnamige japanische Fischgericht vorher schon das ein oder andere Mal verköstigt, aber das war es dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Nach dem Hören von „Eat It Raw“ kam dann eine weitere hinzu. Denn das Debütalbum des Quartetts aus Nürnberg ist ein ebensolcher Leckerbissen. In rein musikalischer Hinsicht versteht sich. 2004 hatte die Band bereits eine 5-Track-Demo-EP veröffentlicht, die jedoch ebenso schnell vergriffen war wie der besagte Fisch aus dem Land der untergehenden Sonne kalt wird.

Was Sänger Martin Pirner, Bassmann Matthias Riedl, Hans Platz an der Gitarre und Wolfram Kellner hinter dem Schlagzeug da 45 Minuten lang abliefern, erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber Alternativrock auf qualitativ höchstem Niveau. Für mich eine der besten Rockplatten des noch jungen Jahres! Dazu komplett selbst produziert. Chapeau! Gemischt wurde „Eat It Raw“ von Christoph Beyerlein (Hidalgo, Shark Soup) und Michael Zimmerling (Simply Red, Einstürzende Neubauten).

Nach verhaltenem Beginn („Again“) bricht sich die Spielfreude der Band ihre Bahn. „One Way Out“ erinnert an die frühen Red Hot Chilli Peppers. Allerdings dominieren auf „Eat It Raw“ insgesamt eher die ruhigeren Töne. Da gibt es einige Perlen zu entdecken. Etwa die grossartige Rockballade „Too Dark“, die mich zwar kurz an Nickelback denken lässt, in Wirklichkeit aber um Klassen besser ist. „Virtual“ schlägt in die gleiche Kerbe, nimmt zum Ende hin aber doch noch mal Fahrt auf. Auch „Whatever“ (in dem Hans Platz seinen grossen Auftritt hat) und das hymnisch-balladeske „The Letter“ sind eher gemäßigte Vertreter, wobei letzteres fast schon der Abteilung Prog-Metal zuzuordnen ist. Dazwischen wird immer wieder fleißig gerockt. „Sometimes“ besticht als eine beschwingt-funkige Nummer, die den verblichenen Terry Hoax zur Ehre gereicht hätte. Auch „No Life“ beginnt eher schüchtern, galoppiert zwischendurch jedoch auf und davon. Der Song wurde übrigens vom Fraunhofer Institut als Musik für das seinerzeit neue MP3 Surround Format verwendet und brachte es dabei auf über 100.000 Downloads. Zu Recht! Mit „One Day In A Minute“ gibt es einen hochkarätigen Rocksong zum (würdigen) Abschluss und auch Martin Pirner weiß stimmlich durchgehend zu überzeugen. Einzig „Absolutely Free“ fällt etwas ab. Darüberhinaus hätte das Booklet ruhig etwas informativer gestaltet werden können.

Das alles soll den guten Gesamteindruck jedoch keineswegs schmälern. „Eat It Raw“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das beim Hören mächtig viel Spass bereitet. Zu dieser Band kann man das Label nur beglückwünschen. In Sushifarm steckt mit Sicherheit noch jede Menge Potential und das ist absolut keine Floskel. Ich werde sie jedenfalls im Ohr behalten. Höchstwertung!

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