Tegan & Sara

Sainthood

Veröffentlicht: 29.01.2010 / Warner Music

Von: Andreas Weist

Tegan & Sara

Das Album "The Con", mit dem das kanadische Zwillingspaar 2007 brillierte, brachte sie auch in Europa dem alternativen Rockpublikum näher. Auslöser dafür war nicht zuletzt Chris Walla ("Death Cab For Cutie"), der seine Erfahrung mit in die Produktion einbrachte. Tegan und Sara Quinn sind inzwischen (in dem Alter darf man die Zahl noch nennen) 29 Jahre alt und seit ihrer Teenagerzeit nicht nur verwandtschaftlich sondern auch musikalisch eng verbunden. "Sainthood" ist bereits das sechste Werk, das sich weitläufig in die Indiepop-Schublade stecken lässt aber auch viel aus den Welten von Rock, Folk, Punk oder gar HipHop mit einfließen lässt.

Kenner mögen aus den Songs schließen, welche Stücke von Tegan und welche von Sara stammen – ich kann das beim besten Willen nicht. Beide schreiben gleichberechtigt Songs. Früher, wie es heißt, getrennt voneinander im stillen Kämmerlein, heute auch mal gemeinsam. Das Ergebnis ist ein rockiges, energetisches Album aus einem Guss ohne eine irgendwie geartete Teilung in zwei Lager. Vielleicht bringt das stärkere Zusammenwirken auch die poppige, melodiöse Seite vermehrt zum Ausdruck. Zumindest wurde ein homogenes Werk geschaffen, das sich gut konsumieren lässt.

Nach der fulminanten, kraftvollen Eröffnung "Arrow" folgt das mitreißende "Don’t Rush". Die Vocals dringen eindringlich und in virtuoser Zweistimmigkeit durch das Soundgeflecht. Auch "Hell" betont die rockige Seite des Albums. Fast alle Songs treiben beständig nach vorne und lassen sich von den Rhythmen tragen. So nehmen sich Tegan und Sara kaum Zeit für einen komplexen Songaufbau, sondern kommen stets direkt auf den Punkt. Songlängen zwischen zwei und drei Minuten sprechen da für sich und lassen den Longplayer in gut 37 Minuten leider viel zu schnell zu Ende gehen.

Einen heimeligen Moment finden wir in den akustisch anmutenden Passagen von "The Cure". Und "Paperback Head" verliert sich für kurze Augenblicke in melancholischer Atmosphäre. Ansonsten aber wird abgetanzt, sei es mit "Northshore", "The Ocean" oder dem bittersüß angelegten "Sentimental Tune". Die Texte drehen sich um die großen Themen Hingabe und Täuschung, Liebe und Affären. Und der Albumtitel bezieht sich gleich auf einen der Größten: Leonard Cohen und seinen Song "Come So Far For Beauty", in dem er die absolute Verliebtheit ("I practised all my sainthood") beschreibt.

Es bringt Spaß, den Schwestern in ihren Melodieläufen zu folgen, die geradlinig klingen und sich doch gegenseitig umspielen. Den stetig größer werdenden treuen Fankreis haben sie sich redlich verdient.

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