Low Voltage

Die Cowboys reiten wieder! Was vor fast genau fünf Jahren mit einem Gig auf einer Party begann, erreicht nun seinen vorläufigen Höhepunkt. The BossHoss legen mit "Low Voltage" ihr fünftes Album vor - und es ist ein ganz besonderes. Denn als sich am 8. Dezember 2008 der Vorhang im Admiralspalast ihrer Heimatstadt Berlin hob, fand ein neuer Abschnitt in der Bandgeschichte seinen Anfang. Neben den sieben BossHoss` standen 25 Streicher und Bläser mit auf der Bühne, bestehend aus dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und den "The Tijuana Wonderbrass". Die grossen BossHoss-Nummern erhielten plötzlich einen völlig anderen Sound. Aus dem ursprünglichen Trash-Country-Punk-Rock wurde zwar kein beschauliches Unplugged-Programm, aber die neuen Arrangements klangen deutlich dynamischer und facettenreicher. Davon, dass trotzdem wie gewohnt die Luzie abgeht, kann man sich nun anhand von "Low Voltage" überzeugen, einer Art Best Of-Album, halt nur im akustischen Gewand.
Die Bläser- und Streichersätze sorgen dabei für jede Menge Style. "Have Love Will Travel" (im Original von Richard Berry) etwa glänzt mit einem Saxophon-Solo vom Feinsten. Schon der grossartige Countryblues-Rocker "Stallion Battalion" als Opener, zeigt wohin die Reise für die folgenden vierzehn weiteren Stücke geht. Gute Laune pur ist angesagt! Da jubelt die Mundharmonika mal ganz alleine wie in "Shake & Shout" oder im Duett mit der Trompete ("Mary Marry Me"). Oder Frontmann Alec "Boss Burns" Völkel lässt bei "Rodeo Queen" Elvis Presley auferstehen, indem er gesanglich stark an den King und seinen "Flaming Star" erinnert (meiner Meinung nach sowieso einer der besten und unterbewertetsten Elvis-Songs überhaupt). "Gay Bar", ein Cover von Electric Six, hätte auch bestens auf den "Blues Brothers"-Soundtrack gepasst. Einfach herrlich! Zwischendurch nimmt das Septett zwar auch mal den Fuß vom Gaspedal, beispielsweise im eher besinnlichen "Close" oder dem luftig swingenden "Break Free", aber über die Spieldauer von fast einer Stunde hat der Körper auch so schon genug mit Hüpfen, Wippen und Wackeln zu tun. Dafür sorgen nicht zuletzt die BossHoss-typischen Coverversionen. Neben den bereits genannten noch "I Say A Little Prayer" (Burt Bacharach und Hal David), "Sugarman" (Rodriguez) sowie "No One Knows" (Queens Of The Stone Age), allesamt klanglich nochmal aufs Schärfste aufgepeppt. Und auch wenn "Low Voltage" zwischendurch ein wenig an Fahrt verliert, so ist der Spassfaktor insgesamt dennoch durchgängig hoch.
Dass dem auf der Bühne offensichtlich genauso ist, beweisen nicht nur die beeindruckenden Fotos im Booklet, sondern vor allem die der Deluxe Edition von "Low Voltage" beigefügte Bonus-DVD, auf der eine Aufzeichnung des Premierenkonzertes zu sehen ist. Wir haben leider nur die Standard-Ausführung zur Besprechung erhalten, konnten aber trotzdem vor dem Release in einige Ausschnitte der DVD reinschauen. Die visuelle Umsetzung ist genial und live wird das Ganze sicherlich nochmal ein besonderes Erlebnis (von Mai bis September zu bewundern auf der BossHoss "Shake Your Hips"-Tour). Die DVD bietet übrigens sechs Songs, die auf der CD nicht enthalten sind. Wer die Deluxe Edition kauft und dabei schlappe zwei Euro mehr investiert, bekommt also gleich 21 unterschiedliche "Low Voltage"-Songs für sein Geld. Immerhin bietet die reine CD-Ausgabe noch einen Download-Code, mit dem man sich auf der bandeigenen Homepage den Non-Album-Track "This Corrosion" kostenlos herunterladen kann.
Ich gebe zu, dass ich The BossHoss bislang immer ein wenig unterschätzt habe. Das hat sich jetzt geändert. "Low Voltage" ist ein verdammt cooles Album. Low Voltage Rock`n Roll eben!