San Patricio

Da arbeiten exzellente Musiker von Weltruf in einem Projekt zusammen, bei dem man im ersten Moment kopfschüttelnd "Was soll das denn?" rufen möchte. Wir finden zunächst die traditionellen irischen Musiker The Chieftains – und auf der anderen Seite Ausnahmegitarrist Ry Cooder. Ry arbeitet seit Jahrzehnten mit Musikern aus Nordafrika, Südamerika und Indien zusammen und hat mit seinem Projekt "Buena Vista Social Club" weltweit für Furore gesorgt. Diesmal widmet er sich der mexikanischen Geschichte. Passt das nun zusammen? Sehr wohl, denn wer einmal die Show "Riverdance" sehen durfte, weiß um den Einfluss keltischer Musik auf die weltweite Folklore, beispielsweise den Flamenco, den amerikanischen Stepptanz oder viele Tanzformen Osteuropas. Der irische Einfluss ist wahrlich weltumspannend.
Auch die Chieftains arbeiteten in den 48 Jahren ihres Bestehens häufig mit anderen Künstlern zusammen – man denke nur an The Corrs und Van Morrison, aber auch an in anderen Stilrichtungen verhaftete Stars wie Ultravox, Mick Jagger oder Elvis Costello. Mit Ry Cooder haben sie in den 90er Jahren die Albern "Long Black Veil" und "Santiago" aufgenommen, für die es jeweils den begehrten Grammy-Award gab. Gerade "Santiago" war ein Beispiel für die lang anhaltende Spurensuche nach Elementen der irischen Folklore in fremden Kulturkreisen. Diese fand man unter anderem in Galizien, im Baskenland und in Kuba.
"San Patricio" widmet sich der Legende eines irischen Regiments im mexikanisch-amerikanischen Krieg, das größtenteils aus Iren bestand und die Seiten von Nordamerika zur mexikanischen Armee wechselte. Von den Amerikanern wurden sie als Verräter und Deserteure geschmäht – für viele andere Naionen gelten die San Patricios (so nannte sich das abtrünnige Regiment) jedoch als Kämpfer für Benachteiligte und Unterdrückte.
Auf dem Album wächst zusammen, was zusammen gehört. Musiker aus der mexikanischen Musikszene bilden zusammen mit den Chieftains und Ry Cooder ein wundervolles Konglomerat und lassen die Musik dieser Zeit wieder auferstehen. Da vermischen sich traditionelle mexikanische Lieder mit irischen, keltischen Klängen und machen das Werk zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Ob englisch, ob spanisch, ob Irish Folk oder mexikanische Folklore – die Grenzen vermischen sich zu erstaunlichen Kompositionen, an denen sich Künstler wie Linda Ronstadt, Moya Brennan und Liam Neeson beteiligen. Der nächste Grammy dürfte schon in Reichweite sein.