Sea Of Cowards

Eine bekannte freie Enzyklopädie schreibt zum Stichwort "Supergroup": Als Supergroup wird eine Pop- oder Rockband bezeichnet, deren Mitglieder zuvor bereits in anderen, oft sehr bekannten Bands erfolgreich gewesen waren.
So genannte Supergroups gab es ja bereits in der Geschichte der Rockmusik einige mehr oder minder erfolgreiche und mit einer meist verhältnismäßigen Kurzlebigkeit. Derzeit scheint diese Gattung wieder wie Pilze aus dem Boden zu schießen und neben all den Hühnerfüßen, krummen Geiern, Guten – Schlechten & Königinnen usw. wäre da noch eine Formation, welche im Juli 2009 mit einem lat. "Marrubium vulgare" den "Samen des Horus" pflanzte und mit diesem Gebräu die Wald- und Berggeister aus dem geschundenen Körper vertrieb.The Dead Weather!
Der apfelduftende Sud spülte damit auch die letzten verkrusteten Reste des modernen Rock aus den Leibern und schmeckte so bitter, daß niemand auch nur daran dachte, ein gefälliges Riff mit in die Fußballstadien dieser Welt zu exportieren. Dieses Album schien dem germanischen Donnergott Thor geweiht und noch während der "Horehound-Tour" spielte die Band den Nachfolger "Sea Of Cowards" ein, welcher erneut jeden Jim Jarmusch schwarz-weiß Roadmovie untermalen könnte. Jack White (The White Stripes etc.) überlässt die Gitarrenarbeit wieder Dean Fertita (Queens Of The Stone Age) zu Gunsten einer ursprünglichen knochentrockenen Trommeluntermalung. Jack Lawrence, der wiederum bei den "Greenhorns" spielt und gemeinsam mit Jack White im Projekt "The Raconteurs" an der Seite von Indie-Institution Brendan Benson zwei tolle Scheiben vorgelegt hat, bedient den pochenden pulsierenden Bass. Alison Mosshart, Frontfrau der Band "The Kills" räkelt sich am Mikro und besingt ihre mit persönlichen energiegeladenen Geistern erfüllte Welt, in einer nach Sex und Schweiß riechenden Attitüde.
Sie vereinigt sich dabei mit White in einem schmutzigen Coitus, der im Opener "Blue Blood Blues" durch elektronische Schnipsel in einen Coitus interruptus driftet. Diese Soundfetzen ziehen sich durch die gesamte Scheibe und fletschen ihre Zähne nach den Feiglingen, welche in ruhigem Gewässer den urbanen Bluesrock befahren wollten. Es sind die Unerlösten, die hier in "I´m Mad" ihr teuflisches Lachen vom Grunde dieses Sees an die Oberfläche schicken. Die sägenden Riffs auf diesem Album erschüttern den Höhrer bis ins Mark und umspielen als unsichtbare Wächter den heiligen Rock-Gral, dessen Hüter hier Robert Plant gerufen wird. "Die By The Drop" ist so etwas wie die "Hit-Single" in deren Verlauf Mosshart und White einen weiteren Anlauf zur Vereinigung wagen. "I Can´t Hear You" schließt hier trefflich an.
Die Musik von The Dead Weather windet sich in archaischer Ekstase und geht auf eine Seelenreise zum Blues. Sie schiffen teils entlang der audiophilen Grenzerfahrungen und erzeugen mit einer drastischen Unausweichlichkeit magische Beschwörungen innerhalb dieser aufwühlenden rauen Rhythmen. Die Geister der Rock-Ahnen, die Spukgestalten toben durch diese Scheibe und machen klappernde fiepsende Geräusche mit ihren alten Knochen und neuen elektronischen Spielzeugen.
Diese zweite Scheibe der Band um den umtriebigen Jack White endet mit dem Track "Old Mary": "Â…Old Mary. Full of grease. Your heart stops within you. Scary are the fruits of your tomb. And harsh are the terms of your sentence. Old Mary. Sister of mine. Mother to the world. Carry this burden. Now and till the moment of your last breath." Ende.