The Mystery

Soulcatcher

Veröffentlicht: 30.05.2008 / Limited Access / Rough Trade

Von: Andreas Weist

The Mystery

Der Vergleich mit Metalqueen Doro Pesch drängt sich förmlich auf – zumindest, wenn man das Bandfoto vor Augen hat und die ersten Töne des neuen Outputs „Soulcatcher“ der deutschen Leichtmetaller The Mystery hört. Ich hatte Schlimmeres erwartet. Das Fantasycover und die Vorabinfos über eine „Female Fronted Melodic Metal Band“ ließen einen Nightwish- oder Evanescence-Verschnitt mit Bombast und Opernarien erwarten. Doch was The Mystery bieten, ist knallharter solider Hardrock, klassisch instrumentiert von einer starken Gitarrenfraktion und donnernden Drums, mit einer Frontfrau Marke Rockröhre. Gut so!

Die Besetzung der Band war von Beginn an ein munteres Bäumchen-wechsel-dich. Von der Urbesetzung aus 1996 ist nur noch Gitarrist Alex „Thunder“ Martin mit dabei, der inzwischen von Christian J. Rüther (Bass) und Daniel Kahn (Drums) unterstützt wird. Die Rolle der Sängerin ist schon in vierter Hand (und das bei gerade mal vier bisher erschienen Eigenproduktionen): nach Tina Schmidt, Denise Olbrich und Natalia Antczak darf sich jetzt Korry Schadwell am Mikro versuchen, die bisher der Band Careful Eye vorstand. Und sie macht ihre Sache sehr gut – mit ordentlich rockender Reibeisenstimme, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Musikalisch geht es um typischen Metal der 80er. Retro – und trotzdem (oder gerade deswegen) gut. Uptempo, Midtempo und die unvermeidlichen Heavyballaden, die aber zum Glück immer wieder in Rockgefilde abdriften. In die schnellere Sparte gehören der Opener „Take Me To The Light“, eingeleitet vom instrumentalen „Ascending Soul“. Und auch wenn Korry diesen Vergleich irgendwann hassen wird: Wenn ihre Stimme zwischen dem schnellen, druckvollen Schlagwerk zum ersten Mal aufblitzt, sieht man vor dem geistigen Auge Doro & Warlock aufblitzen.
Als Anspieltipp möchte ich mal das feine Pianointro „The Catchers Prelude“ und den darauffolgenden Titelsong „Soulcatcher“ nennen. Ein sehr melodisches, hymnisches Stück, das Korrys Stimme voll zur Geltung bringt.
Ruhiger geht es im Schlusstrack „Unready To Die“ zu, der mit akustischen Klängen beginnt, das Album aber in ein mit knackigen Gitarrensoli versehenes Finale führt. Wer noch lange Haare hat und lieber mal wieder ordentlich bangen möchte, sollte sein Glück bei „World Downfall“ versuchen.

Also ist für jeden Geschmack was dabei, so lange man sich mit dem traditionellen Hard’n’Heavy-Geschehen der 80er Jahre zufrieden gibt und keine progressiven Innovationen oder alternative, genreübergreifende Klänge erwartet.

 

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