The Devil, You + Me

The Notwist kommen ursprünglich aus der Punk- und Hardcore-Ecke. Mit "Neon Golden" gelang ihnen ein auch international abgefeierter Meilenstein in Sachen Indierock. Sechs Jahre ist das nun schon her. Dazwischen lagen jede Menge Sideprojekte: Von Lali Puna oder Console über MS John Soda und 13 & God bis hin zu The Tied & Tickled Trio. Seit dem Ausstieg von Schlagzeuger Martin Messerschmid bestehen The Notwist nur noch aus den Gebrüdern Acher, Markus und Michael, sowie Computertüftler Martin Gretschmann. Jetzt legt das Trio aus Weilheim in Oberbayern mit "The Devil, You + Me" sein sechstes Album vor. Wer nun gedacht hat, dass die Drei angesichts des gewaltigen Erwartungsdrucks verkrampfen oder gar versagen könnten, der sieht sich erfreulicherweise getäuscht. Sie scheren sich keine Sekunde darum. Haben sie ja auch eigentlich noch nie getan. Vielleicht sind sie sogar die einzigen, die während der ganzen Wartezeit souverän und entspannt geblieben sind.
Die Musik von The Notwist ist genauso clever wie intuitiv, genauso international wie eigenständig und genauso introvertiert wie weltoffen. "The Devil, You + Me" ist trotzdem keine leichte Kost. Das Album braucht Zeit, um seine gesamte Schönheit zu entfalten. Wer nach dem ersten Hördurchgang aufgibt ist selbst schuld. Man geht auch nicht mit geschlossenen Augen auf die Suche nach der grossen Liebe und beschwert sich dann nachher, dass man sie nicht gefunden hat. Also, Augen und vor allem Ohren auf! Der Verlust von "The Devil, You + Me" wäre zu kostbar.
Los gehts mit feinstem Indie-Schrammelrock und "Good Lies". Die übrigen Zutaten sind ein guter Schuss Electronica (aber nur so viel, dass sich niemand erschreckt) und ein 20köpfiges Orchester, das sich jedoch dezent im Hintergrund hält. Dass beides prima zusammen funktioniert, beweist schon die erste Single "Where In This World". Der Rest ist Gefühl! Insbesondere Melancholie. Doch klingen die elf neuen Songs zu keiner Zeit traurig. Nein! Sie klingen warm ("Gloomy Planets") und sie klingen sanft wie eine zärtliche Umarmung ("Sleep"). Ja! Im Titelstück lassen Bläser, Gitarre und Synthie die Töne wie Sterne vom Himmel regnen. "Boneless" bereitet uns einen flauschigen Teppich aus Klängen und "Gravity" ist eine Knospe, die angesichts des nahenden Sommers langsam aus ihrem Winterschlaf erwacht. Lauter schöne Bilder. Zwischendurch kreischen die Gitarren ("Alphabet"). Teilweise wunderbar spartanisch angelegt (wie im grandiosen Closer "Gone Gone Gone") lebt "The Devil, You + Me" gerade von diesen scheinbar musikalischen Gegensätzen und seinen herrlichen Melodien. Über allem schwebt Markus Achers Gesang, den man entweder emotionslos oder wohltuend zurückhaltend nennen kann. Ich entscheide mich für letzteres. Weil es besser passt und stimmt.
Ohne Zweifel, mit "The Devil, You + Me" ist The Notwist ein kleines stilles und gleichzeitig unglaublich eindringliches Meisterwerk gelungen. Einfach ein zauberhaftes Album! Zart und kraftvoll. We will never let you go!