Shine A Light (Deluxe 2 CD-Edition)

Am 7. Februar 2008 eröffneten die Rolling Stones die 58. Berlinale. Anlass dazu war die Welturaufführung des neuen Werkes von Martin Scorsese "Shine A Light" (zum ersten Mal überhaupt, dass ein Dokumentarfilm dies "durfte"). Scorsese filmte für diesen Konzertfilm zwei exclusive Shows der ältesten Rockband der Welt im New Yorker Beacon Theatre vom Herbst 2006 mit unglaublichen 14 Kameras und setzt damit dieser Band ein angemessenes filmisches Denkmal. Zeitgleich mit dem Kinostart am 03.04. erscheint einen Tag später nun auch der passende Soundtrack in einer Luxus-Ausgabe mit zwei CDS, 23 Songs plus eines Kommentars vom Regisseur himself (bei Amazon gibt es übrigens noch einen Kinogutschein dazu).
Natürlich bleiben Songwünsche offen, aber wie soll es auch möglich sein, aus dem mehr als 40jährigen Schaffen dieser Band, eine alle zufrieden stellende Songauswahl zu treffen? Für beide Konzerte hatten die Rolling Stones zwar eine Liste mit Songs zusammengestellt, die Entscheidung aber, wann und welche Songs dann tatsächlich gespielt wurden, traf die Band erst im Laufe der Konzerte, um so auf die Stimmung des Publikums reagieren zu können.
Und genau das machen sie dann auch, gekonnt, dank jahrhundertelanger Erfahrung und abertausender Konzerte. Im Gegensatz zu den letzten Live-Alben der Rolling Stones ist "Shine A Light" relativ intim. Zumindest im Vergleich zu der üblichen Gigantomanie der "größten Band der Welt". Nicht so schnuckelig und nah wie "Stripped", aber man bekommt schon eher das Gefühl, dabei zu sein. Keith Richards darf auch wieder singen. Warum auch nicht? Wenn´s ihm Spaß macht... gefeiert wird er sowieso, auch wenn er überhaupt keinen Ton mehr trifft. So lässt sich eben auch sehr befreit aufspielen.
Beweisen müssen die Rolling Stones sowieso niemandem mehr etwas. Sie haben alle Rekorde gebrochen und werden wohl erst aufhören, wenn die Kokosnüsse den Kopf von Keith besser treffen als beim letzten Mal oder Mick Jagger uns nicht mehr den ewig Jugendlichen machen kann. Aber das hat auch noch Zeit, denn solange sie noch soviel Spass an ihrem Job zur Schau stellen wie hier, können wir uns freuen diese ewig guten Songs der Glimmer-Twins noch von den Urhebern persönlich dargebracht zu bekommen.
Und Songperlen gibt es auf "Shine A Light" zur Genüge: "Jumpin´ Jack Flash", "As Tears Go By", "Some Girls", "Paint It Black" und die unvermeidlichen "Satisfaction" und das Titel gebende "Shine A Light", um nur einige zu nennen. Daneben gibt es noch drei Gastauftritte, die dem Ganzen das Krönchen aufsetzen: Jack White (nein, nicht der Schlager-Fuzzi) beschenkt uns mit "Loving Cup", Buddy Guy zeigt bei "Champagne & Reefer", dass er auch mit gefühlten hundert Jahren immer noch jeden in Grund und Boden gniedeln kann und Christina Aguilera kann auch schön singen ("Live With Me").
Alles in allem ist "Shine A Light" genau das Richtige, um die Wartezeit auf die nächste Abschiedstournee zu überbrücken. Dann werden wir natürlich auch alle wieder live dabei sein, wie schon immer. Und in den Film gehen wir natürlich auch noch, oder?